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Full text of "Junge Harfen : eine Sammlung jungjüdischer Gedichte"

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JUNGE HARFEN 

EINE SAMMLUNG JUNGJÜDISCHER GEDICHTE 



HERAUSGEGEBEN VON 
BERTHOLD FEIWEL 

6. — 7. Tausend. 




PJ 

5059 

G3J8 

1900z 

C.l 

ROBA 



JÜDISCHER VERLAG, BERLIN. 




PURCHASED FOR THE 

University of Toronto Library 

FROM THE 

Josefh and Gertie Schwartz 
Memorial Library Fund 

FOR THE SUPPORT OF 

Jewish Stiuiies 




DRUCK VON C. SCHULZE & CO., G. M. B. H. GRÄFENHAINICHEN. 



t^fSt t^ta tOci* t<£H Ks^i» bSlf KsSi« U£ii C^cD tOSSk t^SOt t^SOt K^SSt CdEft C«£i} 

JUNGE HARFEN. 

An den Weiden hangen die Harfen . . , 

Klangen einst kampflich zum Sausen der scharfen 

Schwerthiebe. Nun sind sie stumm, sind längst geborsten. 

Wächst noch nicht junges Harfenholz in den Forsten 

Oben am Libanon? . . . 

Scheuer Klage Ton 
Wimmert aus den alten Harfen. Müde bewegen 
Sie sich im Winde. Es klingt wie Sterbender Segen: 

Baut junge Harfen! 

Baut junge Harfen und spannt darüber 

Der Freude goldene Saiten! 

Das Königslied klingt! Das soll uns aus trüber 

Gebanntheit zur Sonne geleitea 

WIEN. MAX BARBER. 



t^St t^St t^vt ^^St V^St t^A t^St R^n R^i> Cd£9 t^Si C^St t^» C^St t^Sk t^A 



PSALM. 



€in ßaucb webt burcb öie Canbe, 

€in leifer, Unber Winb, 

Cr weckt öie fcblummernben ßer3en, 

Cr wecket öreis unö F^inb. 

Dein Obern, Du ewig junger, Du alter, ftarker 6ott. 

€r pocbt an bie f^erkertbüre, 

€r bringt in bie Tiefe binab, 

Die fcbweren €ijenbanbe, 

6ie fallen ins leere Grab. 

preis Dir, Du Cöfer ber f efjeln. Du alter, ftarker Gott. 

Den nackten, ben kalten Gebeinen 
Gibft Du ibr lebenbig Gewanb, 

Die Rbern unb bie Sebnen 

Spannt Deine allmädDtige ßanb. 

Preis Dir, Du Totenbeleber, Du alter, ftarker Gott. 

5ie fcbien verborrt, bie Recbte, 

Cr jcbwellt fie mit nerviger f^raft, 

Cr, ber bie kreifenben Welten 

Fllljtünblicb neu erfcbafft. 

Du SdDÖpfer, Du ewig junger. Du alter, ftarker Gott. 

Ruf, auf, ibr fäumigen Brüber, 
Unb gürtet bie Cenben mit (Dacbt! 

Cr ruft! Cafet uns ibm folgen, 

Cr fübrt uns burcb Hebel unb Hacbt. 

€rleucbter. Du ewig junger. Du alter, ftarker Gott. 



Uns Icbeert nicbt ber Spott hex Jreunbe, 

Hiebt 6er Seinbe Rricgsgescbrei; 

Cs lenkt uns nicbt vom Wege 

Die faljcbe f^lerifei. 

Denn Du bift unfer Sübrer, Du alter, ftorker Gott 

€r trägt auf Rblersflügeln 

Den kleinen, ben treuen Reft, 

Ueber ßerge unb Cbäler unb (Deere 

3um alten Selfenneft. 

Vater, ewig junger, Du alter, ftarker Gott. 

Uns jcbrecken nicbt bie helfen. 

Uns fcbreckt nicbt ber Wüjte Glut, 

Wir net3en mit unjercm Scbweifee, 

(Dit unferem f5er3ensblut 

Deinen heiligen ßoben. Du alter, jtarker Gott 

Wir macben 3um parabiefe 

Die öbe Wüjtenei: 

€in Garten i|t bie f5eimat, 

Sie fei, wie [xe aucb fei, 

Unfere, Deine f5eimat. Du alter, ftarker Gott. 

führ uns 3ur alten Stätte, 

Die Dir fo wohl gefällt. 

Wir macben fie 3um f^leinob, 

3ur F^rone ber gan3en Welt. 

führ uns. Du ewig junger, Du alter, ftarker Gott 

WIEN. LEO RAFAELS. 



VOSS* ttOSI ti£H ti^mt tOESH Uß» t^Sl ttäXt C^ESf taSSt C^E!« 



C^i» t^St C«^D t^St t^St ^sSii ti^St fkSvt t^St t^St t^St fC^St K£» t^H K^« Kd^K 



FRUEHLING. 

Der Frühling blüht . . Du fühlst es kaum — 

Und all Dein Weinen war ein Traum. 

Der Himmel dehnt sein licht Gefieder 

Und sieht mit sanften Augen nieder — 

Und ein liebes Vöglein singt im Baum. 

Ein liebes Vöglein singt im Baum — 
Und all Dein Weinen war ein Traum, 
Die Sonne kommt auf goldnen Sohlen 
Und hört die Bäume Atem holen — 
Und alles blüht, Du fühlst es kaum. 

Du fühlst es kaum, ja fühlst es kaum, 

Dein Sehnen klingt aus jedem Baum. 

Aus jedem Zweiglein hebt sich leise 

Die holde Auferstehungsweise — 

Und all dein Weinen war ein Traum. 



WIEN. t^St ts^ik t^ t^St R^i? ^^a t^ü t^St R^l» C<s£i> ti^Si t^St ANTON LINDNER. 

6 



t^u^^t^t^ VERWAISTER SANG. «• 

VON CH. N. BIALIK (ODESSA). 

Horch, aus den heimlichsten Tiefen der schweig- Tödtlichcr Rauhfrost — er nisld Im Schosse des 

samen Waldung Erdreichs, 

Stiehlt sich ans Ohr dirverschüchterter Vogelsang leise. Und es vermag keine Sonnenglut ihn zu verjagen. 

Rlle die Bangigkeit rings und die Oede des Weltraums Reh, wieviel liebliche Reiser schon sind ihm 

Kündet: verfrüht ist erklungen die lenzhafte Weise. erlegen. 

Und wieviel würgt er noch hin, wer vemiöchf es zu 

Schau, noch versinken wir knietief in eklemMoraste... sagen? 
Bleigrau und lastend die Wolken zu Häupten uns 

hangen I Schmerzhafte Blosse ringsum... Es erschlottem 

Qrimmiger Frosthauch durchfriert uns die innerste die Bäume. 

Seele, Wettergestähltes Qewild sogar hat scheu sich ver- 

Schmutzwellen türmen sich, reichen uns bald an krochen, 

die Wangen I Blinzt zum Erbarmen aus eishauchumkleidetem 

Busdiwerig 

Starr ruht die Waldung und tonlos gleich einer Hinter Qestrüpp, das der knickende Nordwind 

Verstorbnen, zerbrochen. 
Qleich als hätte kein einziger Lichtblitz ins Herz 

sie getroffen. Schaurige Klaglieder pfeift wohl der unwirsche 

Barhäuptig ragen die Baumriesen, träumen ihr Ende, Sturmwind, 

Wie wenn sie nimmer ein Ruferstehn dürften erhoffen. Lieder von freudlosem Dasein, das schleppend sich 

windet 

Ond auf dem Waldboden häuft sich der Moder seit Qleichwie sich dehnet das Qrauen der Mittnacht 

Jahren . . . dem Wandrer, 

Zahllose Herbstzeiten pflanzten hier auf ihre Zeichen: Der in dem Irrsal der Wildnis den Rusweg nicht findet 
Schichten verwehter, zerzauster, zerfallender Blätter, 

Mulm von gealterten, wetterentwurzelten Eichen. Während dich aber durchschüttert der Rauhfrost 

mein Liebster, 

Keime derFäulnis— sie drücken mitwuchtigerSchwere Wenn dir entgegen da zwitschernder Vogelsang 

Mieder die Knospen, die aufstreben, sich zu entfalten, klinge, 

Rlle dieTriebe, die sehnsuchtsvoll drängen zum Lichte, Dauerte dich nicht der einsame Frühling$ver*<ünder? 

Rber im Dunkel ersticken, im Rauhfrost erkalten . . . Tönten die Triller dir nicht wie verwaiste Qesängc? 

fi^ CSE« fesE« (AUS DEM HEBRAEISCHEN UEBERSETZT VON MORIZ ZOBEL.) Cj2« 



VaSSt t^m t^St Xk^St ti^St t^St t^H Vi^Si C^» ti^St t^Kt t^St C^^i? tism t^^st i^a^a 



DAS ZEICHEN. 



Aus den Wolken dumpfer Klagen 
Ballt sich nieder Wunderwende, 
Strömet dröhnend Wundersagen: 
Sei heut eurer Thränen Ende, 
Wie ich meine Boten s^de, 
So das Zeichen vor euch tragen. 



Goldnes Zeichen, klar im Blauen 
Sternenlicht ins Thal gefallen. 
Du verheissest all zu schauen 
Unsre heilig alten Hallen, c^s? 
Die von Lobessängen schallen 
Aus der Zeiten erstem Grauen. 



Ja, die Botenscharen winken: 
Gürtet euch, ihr Fahrtgenossen! 
Tausend trübe Jahre sinken, 
Freudenfluten sind ergossen, 
Wo die Alten "Wasser flössen, 
Helle Morgenblitze blinken. 



MUENCHEN. 

a 



KARL WOLFSKEHL. 



DIE ERSTEN. 



Euch trägt die Rhnung über Zeit und Raum 
In eurer Sehnsucht köstliches Qefilde. 
Was ihr erschaut, formt ihr zum Zukunftsbilde, 
f\\\ euer Wollen ist ein grosser Traum. 
Und doch hält euch das Schicksal festgebannt 
Rn fremde Menschen und an fremdes Land. 

Rus jedem Strahl trinkt ihr der Heimat Qlut, 
Cnd Heimatsaat glänzt euch aus jedem Halme, 
Und jeder Vogelsang wird euch zum Psalme, 
f\us jeder Quelle rauscht des Jordans Flut. 
Und doch schenkt euch kein eigner Boden Ruh, 
Und doch deckt euch nicht euer Himmel zu. 

Der Menschheit Reich erscheint zuerst euch dort, 
Im Ostlicht blinkt, die Schärfe eurer Waffen. 
Cäeweihte Handlung wird euch jedes Schaffen, 
Zum heiligen Symbol wird jedes Wort. 
Und sieht doch keiner euer Priesterkleid, 
Und weiss doch niemand, was ihr wollt und seid. 

Ihr Ersten, die ihr euch dem Dienst ergebt: 
Fern eurer Scholle, weit vor euren Zeiten, 
Tragt ihr der Sehnsucht höchste Bitterkeiten, 
Ihr träumt das Qlück, doch Leid ist, was ihr lebt. 
Rus Halm und Quell, aus Erde, Wind und Strahl, 
Rus jedem Sehnen wächst euch neue Qual. 



Ihr dürft die unvertiOllte Schönheit sehn, 
Und könnet ihre Hände doch nicht fassen. 
Euch zeigt die Freiheit nie geahnte Strassen, 
Doch einsam mOsst ihr eure Wege gehn 
Und müsset ringen in der Einsamkeit 
Und einsam leiden euer tiefstes Leid. 

Und jedes neue Leid wird euch zum Lied 
Und jedes neue Lied zu neuem Leiden, 
Und immer grössre Sehnsucht quillt aus beiden, 
Rus jedem Leiden und aus jedem Lied. 
Rus jedem Schmerze wächst euch neue Kraft, 
Die wieder neue Schmerzen aus sich schafft 

Ihr Ersten, die ihr euch dem Dienst ergebt, 
Dies ist die Sendung, die euch ward auf Erden: 
Stets sehnsuchtsvoller muss die Sehnsucht werden, 
Stets quälender die Qual, die euch durchbebt 
Und euer Lied in immer heissrer Qlul 
Muss es entströmen eurem Merzensblul 

Denn riesengross ist eures Volkes hot, 
Die grösste hot sein schweigendes Ergeben: 
Es beugt den hacken einem Skiavenleben, 
Kaum wehrt es zitternd einem Skl«ventod 
So riesengross wie eures Volkes Leid 
Muss auch die Sehnsucht sein, die es befreä 



Rus tausendjährger Schmerzen dunklem Schoss 
Ein Sehnen, das hinauffliegt zu den Sternen, 
Muss euer Volk, das sehnsuchtsmüde, lernen: 
Ihr müsst ihm Sehnsucht geben, grenzenlos 
Und müsset lieben, lieben euer Leid, 
Rus dem die Sehnsucht wird, die euer Volk befreÜ 



BERLIN. 



BERTHOLO FEiWEL. 

9 



CsSSt t^xt tiS& ti^iA C^^i) t^St Ci£i? t^H ts^nH t'.^ü V^ü C^D C^^i» R^i) 



IM FELDE. 

VON CH. N. BIALIK (ODESSA). 



Nicht so wie ein fliehend Vöglein jubelnd ausspannt seine Schwingen, 
Auch nicht wie ein Löwe ausbricht, zerrend, bis die Ketten springen — 
Wie ein Hund vor seinem Peiniger floh ich heut' aus meinen "Wänden 
Vor der Arbeit — ist es Arbeit, die man thut mit schlaffen Händen? 

Hin aufs Feld! Dort stehen Hütten in des Friedens ewger Weihe, 
In den Hütten leben Menschen, gottgeliebte, sorgenfreie, c^« 
Sehen ihrer Arbeit Segen, wie er wächst von Tag zu Tage — p^« 
Ach, und dort klagt meine Sehnsucht manche wilde Sehnsuchtsklage. 

Hin aufs Feld! Die heiigen Stimmen im Getreide will ich hören 

Und den Wind, wenn er vorüber huscht, das hohe Rohr zu stören, 

Und im Feld das leise Brodeln und im Berg das tiefe Gähren 

Und warum die Köpfchen rühren, volle, flaumige, die Aehren. CsStR 

Ins Getreide will ich schleichen, niederkauern, mich verstecken, Cssi? 
In die gelbe Flut mich tauchen, dass mich ihre Wellen decken. 
Drüben schweigt der Wald; mich schauerts, Waldesschweigen zu belauschen 
Und die Bäume, wie sie Träume tiefgeheimer Nächte tauschen, c^« 

Hin zur Erde will ich fallen, mein Gesicht darin verschmiegen Ci^n 
Und mit einer bittern Frage weinend ihr im Schosse liegen. K^i? 
„Sag' mir, liebe Mutter Erde, warum tränkt nicht voller Gnaden 
Deine Brust auch meine arme Seele, krank und mühbeladen?" 

Keine Antwort — zu des Berges Saum ist Sonnenblut ergossen. 
Ich von Wand und Wand der hohen Aehren wonnevoll umschlossen, 
Ganz umwallt, umballt von Schatten, die auf mich herniedersinken. 
Schreit' ich, Himmel mir zu Häupten, Korn zur Rechten, Korn zur Linken. 

Und am Firmamente oben fliessen Wölkchen, lose, freie, ciöi? cis» 
Ihre feinen Schatten schweben sacht entlang die Aehrenreihe. räs» 
Dunkler wird das Gold der Halme. Leiser Wind mit schmeichelglatten 
Flügeln wiegt sie, die verträumt sind und umsäumt von Licht und Schatten. 



10 



Auffuhrt der Wind, und mit einem Male c^ei» 
Bebt es im ganzen friedlichen Thalc. tt£H t^m 
Wie Lämmer in Schrecken scheinen die Aehren 
Plötzlich zur Flucht sich zu kehren. tae» 



Vom Berge hinab zu Thale sie fliehen, €a^ 

Vom Thale zum Fruchtgefilde zu ziehen, taea Csä» 

Von dort immer weiter und ohne Verweilen, toE» 

Selig verwirrt zu enteilen. c^Ei) tag» feoESt taist 

Was bebt Ihr, Goldhalme? Goldhalme, was wollt ihr? 
Wer jagt euch? Wie Wogen des Meeres ja tollt ihr? 
Und sprenkelt die Vögel mit glitzerndem Weben 
Alle, die tlber euch schweben? tt£ü toEH p^fi? 

Dabin, wo Im Zuge die Wolken sich spreiten, 
Wo veratmet der Tag und die Schatten entgleiten, 
Dahin, wo die Seelen im Traum hinbegehren. 
Flieht ihr so eilig, ihr Aehren? t,£H tasst t^» 

Endlich ist der Sturm, der wilde, endlich er vorbeigezogen. 
Ruhig liegt das Feld. Doch wehe, andrer Sturm ist aufgeflogen. 
Lautlos, stark im Herzen. Kräfte, die in tiefstem Schlaf versunken. 
Weckt er auf. Lang hat geglimmt es. Nun zur Flamme wird der Funken. 



Vor des Feldes lichter, froher Majestät, ein Bettler steh ich. 
Und wie nackt ich bin und elend, erst zu dieser Stunde seh ich. 
Meine Hände nicht, ihr Aehren, schufen euch in Müh und Walten, 
Meine Kraft ist nicht gesät hier, ich nicht werde Ernte halten. 

War es Schweiss von meiner Arbeit, der den schwarzen Boden tränktet 
Mein Gebet, dem sich der Himmel gnädig wies und Regen schenkte? 
Ihr gedieht, doch nicht um mein Herz, meine Augen nicht zu rühren — 
Ach, so wird nicht meiner Lieder Jubel euch zur Scheune führen. 

Dennoch lieb' ich euch, ihr Felder! Denn ihr lasset mich gemahnen 
Ferner Brüder, treuer Bauern in dem Lande meiner Ahnen. ^USSt 
Stehn vielleicht auf Berg und Hügel sie in diesem Augenblicke, 
Gegengrüssend meinem Grusse, den ich weinend ihnen schicke? 



C^Ei» (AUS DEM HEBRAEISCHEN UEBERSETZT VON BERNHARD FUCHS.) 



11 



t^^St t^St tiSSt t^St l<£«? K^i? t^St t^St t^H C^S t^St t^St t^St ts^St t^SH C^^S 

JOSUA VOR DER LANDNAHME. 

VON CH. N. BIALIK (ODESSA). 

„Irrgänger der Wüste, auf aus dieser Wilde! 

Noch ist weit die Strecke, Kampf winkt im Gefilde, 

Lang genug durchschweift ihr ziellos dies Gelände — 

Und vor euch die Bahn dehnt sich ohne Ende. 

Vierzig Jahr erst sah uns hier die Wüste streichen — 

Und ihr Sand deckt sechzig Myriaden Leichen . . . 

Doch die toten Memmen sollen uns nicht grämen, 

Ueber ihre Leiber lasst den Weg uns nehmen! 

Lasst sie schmachvoll modern neben ihren Packen, 

Die sie aus Aegypten schleppten auf dem Nacken. 

Möge ihnen träumen süss von duftigem Lauche, 

Fleischgefüllter Töpfe würzevollem Hauche . . . 

Heute -morgen teilt der Geier mit dem Weste 

Wohl des letzten Sklaven allerletzte Reste. 

Und die Sonne wirbelt endlich mit Frohlocken 

Auf ein starkes Volk ihre Strahlenflocken. 

Auch das Volk hebt endlich auf den Blick mit Wonne 

Zu der gnadenreichen, gabenfrohen Sonne, 

— Lasset denn, ihr Wandrer, diese dürren Heiden, 

Aber seid nicht vorlaut, schreitet aus bescheiden, 

Dass nicht die Entschlafnen euer Schritt beschwöre. — 

Jeder still im Herzen starke Klänge höre! 

Jeder fühl' im Herzen Gottes Wort erglühen: 

In ein neues Land wirst du heute ziehen! 

Nicht mehr wirst du Manna, Himmelskost, geniessen. 

Aus der Hände Mühsal wird dir Brotfrucht spriessenl 

Nicht mehr Luftgezelte, nicht mehr Wolkendächer, 

Andre Häuser baust du, andere Gemächer! 

Denn auf Gottes Erde ausser Wüstengrauen 

Gibt es sonnig weite, strahlgeküsste Auen. 

Jenseits dieser Wildnis totengleicher Stille 

Lebt und webt ein Land in trunkner Schönheitsfiille." 

C^S» Cs2i> CSE» (AUS DEM HEBRAEISCHEN UEBERSETZT VON MORIZ ZOBEL). Rgs? c^i? v^^ 

12 



CUR t^» t^» 



t^ u^ ^a^ DIE PALME, fi 

VON J. L. PEREZ (WARSCHAU). 



Schone mein, Palme, 
Mütterlich milde, 
Rrmseliger Flüchtling bin Ich. 

Tags zehrte die Sonne an mir. 
Rbends nunmehrerschöpft, 
Such' ich die Rast Deines Schattens. 

Matt ist meine Seele, matt 

Und Dir zu Füssen 
Leg' ich mein glühend Haupt. 

und wenn Du wundersam rauschest, 
Versteh' ich das Wispergeheimnis 
Deiner Fächerzweige. 

• 

Dein Schatten, Palme, birgt Zauber! 

Rn Deinem saftgrünen Stamm 

Schwindet mein Ungemach hin. 

Mein Herz hegt friedvolle Klarheit, 

Rlle Wunden verharschen, 
und traumschöne Jugendhoffnung 

Erwacht, schwingt sich empor — — 

Sag' mir, o Palme: 

Wer ist der Lichtstrahl, 
Der Wolkenflöre durchriss 

Und eindrang in Deine Zweige? 
Ist wirklich der Morgen schon da, 

Oder hat Dich der Mond bloss begrusst 
Oder ist's gar der Jünglingstraum, 

Der an die Herzkammer pocht? — 
• 
Sag' mir, o Palme: 

Leb' ich wirklich, 
Und mein erstorbenes Hoffen 

Ist dem Qrab entstiegen 
Inmitten der Zaubernacht? 



Oder lebt mein hoffen, 

Ich aber bin tot, 
Und deine Zweige, klagend 

Ob meinem Qrab, 
Raunen sich meine Träume zu — 

Während ich lausche? 
• 

Sag mir, o Palme: 

Warum weht 
Säuselnder Klagewind 

Auf der Schöpfung Fluren? 

Mischen wohl Schattenseelen 

Ihren grausen Qeist — 
Moderentsagung — 

In den Kelch der Zaubemacht? 

Sag mir, o Palme: 

Ersteht wirklich dereinst ein Prophet 
Der im Thal der Qebeine 

Seine Wunder übt? 

• 

Sag mir, o Palme: 

Warum all mein Hoffen 
Bloss Schwingenentfalten, 

Bloss Blättergeraschel, 

Bloss Dämmerungsaufblitz 

Im Tagesentflammen? 

Warum all mein Hoffen 

Bloss Blütenkelchduften, 
Bloss Windhauchgewimmer 

In den Saiten der Harfe — 
Oder ein Thautröpfchen 
Auf einem Rosenblatte? 

Warum all mein Hoffen 

Bloss eines Regens schimmernder Bogen, 
Bloss Spiegelungszauber, bloss Flattergebilde 

Ohne Kraft, ohne Wucht, ohne Wesen? 



tasix 



(AUS DEM HEBRAEISCHEN UEBERSET2T VON M0RI2 ZOBEL). 



13 



V^St t^St tiSiA I^^i? t^a r^^l? I^^i? ti^St ti^ü ti£i\ t^^ C^R Z^ü ^i^ü t^St t^Sk 



GHETTO. 



VON ABRAHAM REISEN (WARSCHAU). 



Ein finsteres Loch, ^^a ^^st 
Zwei Decken darein, c^»? t^a 
Und muss doch acht Menschen 
Zur Wohnstatt sein, c^s? c^a 

Bei Tag auf der Gasse; t^a 
Doch kommt die Nacht — 
Im finsteren Loch, k^« (p^h 
Wie schlafen die Acht? t^a 



Bei der Mutter drei Mädchen, 
Beim Vater drei Jungen -- 
Hände und Füsse c^a c^a 
Zu Knäueln verschlungen. ^^^^ 

Es betet die Mutter; t^a d^a 
„Sieh, Herr, die Not! c^« kö» 
Erbarme dich, Vater, cssw c^« 
Und schick' mir den Tod! 



Eng wird's auch im Grabe 
Und finster sein — 
Aber im Grabe 
Liegt jedes allein." 



(AUTORISIERTE UEBERSETZUNG AUS DEM JUEDISCHEN VON BERTHOLD FEIWEL) 



14 



K^St ۊKk IMR f^RR IWir ftUKt KaeH t^H t^Kt CStfP Wtm KOKt 



HEIMATLOS. 

's ist Feiertag. Ich sitz' am fremden Tisch, 
Mein Wirt füllt mir den Teller an und schenkt mir ein; 
„Liebt Ihr vielleicht die Speisen mehr gewürzt? 
Hier ist das Salzfass — thut nur Salz hinein.** — 



Am fremden Tisch . . . Ich denk zurück kse« 
An mein verlornes Heim. Das Herz wird schwer, 
Und in den Teller eine Thräne fällt: «^ss» «*» tttst 
„Es ist genug gesalzen, Herr, ich dank Euch sehr ....*• 



VOLKSMOTIV. 

Es kommt der Herbst gegangen, 
Der bricht mir den letzten Stolz. 
Der Wind pocht an die Thüre: 
„He, Bettler, hast Du Holz?'* 

Der Regen klatscht ans Fenster 
Und brummt sein Lied dazu: 
„Ich schütte, ich schütte Wasser, 
He, Bettler, hast Du Schuh?'' 

risS» (AUS DEM JUEDISCHEN UEBERTRAGEN VON BERTHOLD FEIWEL.^ 

15 



t^St Cd£i» t^Kt t^SH t^St t^St ti^R R^R R^» R^ie tt^St ts^St t^St C^i» V^R t^St 



DAS JUEDISCHE KIND. 

VON S. FRUG (PETERSBURG). 



Elend-armes Würmchen windet 
Sich im winzig-engen Schacht, 
riachtgezeugt; muss es sich krümmen 
Immerdar in Macht. 

Wie der Wurm in dunkler Enge, 
Schwach und stumm und blind, 
Lebst Du Deine jungen Jahre, 
Bleiches Qhetto-Kind. 

himmer hachts an Wieg und Bette 
Singt Dein Mütterlein 
Dir ein Lied vor Lust und Leben, 
Qlanz und Sonnenschein, 

Von den Qärten, von den Feldern, 
Wo ein ander Kind 
Spielen mag und jauchzend fliegen 
Mit dem Frühlingswind — — 



Mein, ein dunkler Quell des ]ammers, 
Der wie Schluchzen klingt. 
Rauscht durchs Lied, das bitterwehe. 
Das die Mutter singt. 

In dem Quell steigt auf und nieder 
Heisser Thränen Qual, 
In sein Schmerzensrauschen stöhnen 
Seufzer ohne Zahl. 

Thränen, Seufzer, Thränen, Seufzer, 
Finsternis und Mot 

Trägst Du, Kind, von Deiner Wiege, 
Schleppst sie in den Tod. 

Endlos starren Leidenswälder, 

Die kein Strahl erhellt 

und Du taumelst durch das Dunkel, 
Bis der Körper fällt. 



Röl? t^R (AUS DEM JUEDISCHEN UEBERTRAQEN VON BERTHOLD FEIWEL.) ^^ü R^S? 

16 



CtffB KätSi 



DIE LANDSTREICHER. 

VON MORRIS ROSENFELD (NEW-YORK). 
(AUS „LIEDER DES GHETTO.") 



Rrmseilg Bettlervoll«, das vor dem Richter siehtl 
Rrmselig Judenpack I Aus ihren Rügen ficht 
Die Rngst des mitleidlos gehetzten Wildes. 
Schaut sie euch an und schauert ob des BiidesI 
Sechs Menschen, von der grausen Mot zerbrochen, 
Der Vater sterbenskrank, kaum mehr als Haut und 

Knochen, 
Die Mutter krank und krank die armen Kleinen, 
Die, an der Mutter Rock geklammert, kläglich weinen. 
Wie sie mit hartem Blick der Richter missti 
Was glaubt Ihr wohl, dass ihr Verbrechen ist? 
nis Vagabunden ziehn sie durch die Welt 
nicht eine einzige Kopeke Geld, 
Kein Heim, kein Bett — sie haben nur allein 
nis Kissen für die Macht den Strassenstetn. 
Wie sie der Richter misst mit hartem Blickt 
0, aus der Miene ahnen sie schon Ihr Geschick I 
Sie konnten nur zu oft schon solch Qesicht studieren. 
Sie kennen schon der Richter Worte und Manieren. 
Sie kennen auch die Strafe wegen Bettelei, 
Umherzlehns In den Strassen und Landstreicherei. 
Jawohl, 's sind Vagabunden. Die Gerechtigkeit 
Treibt sie von Dorf zu Stadt und treibt sie nah 

und weit 
Und treibt sie krank und treibt sie ins Verderben, 
Treibt sie herum und lässt sie doch nicht sterben. 

Die Mutter schweigt und rührt sich nicht . . . 
Der Vater aber schleppt sich vor und spricht: 
„nicht wahr, Ihr werdet uns nicht weiter treiben? 
Seid gnädig, Herr, und lasst uns hier verbleiben I 
Die Stadt ist gross; ein freundliches Erbarmen 
Schenkt wohl manch' Stückchen Brot den Rrmen, 



Und auch ein Lagerptitzchen wird zu finden sein. 
Und bin ich erst gesund, dann rflhr' Ich midi allein 
Und kann, wenn Qott mir hilft, In allen Ehre« 
Durch meiner Hände Kraft Weib, Kind und mich 

ernähren. 
Darum — seid gnädig, Herr! Und seid dafüi 

gesegnet I* 

Der Richter bückt den Juden finster an, da er entgegnet: 
„Wahrhaftig, alle schick' ich Euch nicht fort 
Ihr habt zu gehn mit Eurem Weib. Die Kinder dort. 
Die sollen In der Stadt Im Waisenhaus verbleiben. 
Man wird sofort für sie den Platz verschreiben." 
Der Vater ist vor Schrecken stumm. Rllein das Wdb 
Fährt jäh empor. Mit vorgestrecktem Leib 
Schreit sie dem Richter zu: „Das wird nicht sdnl 
Du kannst sie mir nicht nehmen, sie sind meini 
Das wird Dir Qott im Himmel nie vergebeni 
nimmst Du sie mir, so nimm mir erst das Lebenl 
Mit meinem Herzblut hab' Ich sie gesäugt. 
Ich hab' mich Ober sie des Hachts gebeugt. 
Mit meinem Leib sie vor dem Frost gewahrt 
Und meine Krume Brots hab' ich für sie gespart 
Ich werd' auch weiter für sie betteln — wie zuvor, 
Strassauf, Strassab und Thor fflr Thor. 
Ich will Ja nichts, jag uns aus Euren Qassen, 
Hur meine Kinder, Herr, musst Du mir lassen T 

Der Richter winkt den Schergen, spricht kein Woi^ 

Das Urteil ist gefällt und er geht fort 

Was Khert's ihn, dass ein Mutterherz hier brkM} 

Fluch der Gerechtigkeit die solches Urteil spr4chtl 



(AUTORISIERTE UEBERTRAGUNQ AUS DEM JUEOISCHEN VON BERTHOLD FEIWEL). 

17 



ti^i\ t^& t^R Ci^i? t^R t^S. K«^«? K^S t^^S taSR taSR C^St t^R tcSü t^^St tt^SA 



DER TRAUM. 

VON J. C. BORUCHOWITSCH. 

Wenn Gott zurückführt die Gefangen&n Zions, 
■werden wir sein wie Träumende. 

Psalm 126. 

Es hat micli umfangen mit süsser Macht 

Ein goldener Traum in seliger Nacht, 

Ein Traum wie Morgenrot leuchtend und rein, 

Er goss mir Gluten ins Herz hinein. 

Das war ein wundersamer Klang 

Wie Freudenmusik und Jubelgesang, 

Und brauste daher imd war doch so lind 

Wie jugendstarker Frühlings wind. 

Und dem glücklichen Auge ein Bild erschien: 

Gen Sonnenaufgang ein Volk zieht hin. 

Es wehen die Fahnen, es rauscht die Musik: 

„Wir kehren vom schrecklichen Golus zurück. 
Wir irrten wie Kain umher sonder Rast, 
Uns haben viel grausame Hände erfasst. 
Doch die Knechtschaft ist aus und das Elend vorbei. 
Und das Volk stand auf, und das Volk ward frei. 
Und es brachen die Ketten und fiel das Band — 
Wir kehren zurück ins Heimatland." 
Es wehen die Fahnen, es rauscht die Musik: 

,)Wir kehren vom schrecklichen Golus zurück. 
Wir haben gekämpft; hell flammte der Mut, 
Es trank die Welt unser warmes Blut, — 



18 



Wir lusen Each Gräber zurück ohne Zahl, 
Die mögen Euch künden von Not und Qaal, 
Von mutigem Sterben für Glanben und Recht, 
Vom grossen, vom todten Heldengeschlecht.** 
£s wehen die Fahnen, es rauscht die Musik: 
„Wir kehren vereint nach Zion zurück, 
und da wir uns nahen, das Land erwacht, 
Es glänzt und schimmert in bräutlicher Pracht. 
Von Berge zu Berge es widerhallt, 
Der Libanon grüsst, und der hohe Wald 
In neuem, glänzendem, grünem Kleid 
Erbebt in zitternder Seligkeit 
Wohl schmücken sich Karmel, Hermon und S'nir 
Mit Blumengewändem und duftiger Zier, 
und es jubelt und jauchzt und singt und klingt: 
Das jüdische Volk hat sich wieder verjüngt!" 

Es wehen die Fahnen, es rauscht die Musik . . . 

Wie kurz war mein sonniges, wonniges Glück. 

Vom tiefen Schlaf bin ich plötzlich erwacht, 

Da draussen wildwüste, finstere Nacht, 

So traurig und schaurig ist es ringsum, 

Und ist wie ein Grab so einsam und stumm. 

Ein Heimchen nur zirpt durch den öden Raum .... 

Gott, wann erfüllt sich mein goldener Traum? 



K^W C^i? (AUS DEM JUEDISCHEN UEBERSETZT VON BERTHOLD FEIWEL) 

19 



K^i» taSt €^St ^^St Cdg» t^St t^m ts^St €^Bt l^g» tCs£St t^St R^it C£» 



WIEGENLIED 

(NACH EINEM VOLKS MOTIV.) 

Schlaf, mein süsses, kleines Söhnlein, Jeden Tag gibts Weissbrot, Schätzchen, 

Schlaf, ei-Ju-lju, Schlaf, ei-lu-lju. 

Schlaf, mein Trost, mein feines Krönlein, Und fürs Kindchen Zuckerplätzchen, 

Schlaf, ei-lu-lju. Schlaf, ei-Iu-Iju. 

Sitzt dein Mütterchen an der Wiege, Vater rührt für uns die Hände, 

Singt dem Kind ein Lied und weint. Schickt, will's Qott, ein Briefchen her. 

Später, später wirst du wissen. Zwanzig Dollarl Und wir fahren 

Was das kleine Liedchen meint. Qleich, mein Kleinod, übers Meer. 

Weit, ach weit ist Kindchens Vater, Ei, wie wird dich Vater küssen, 

Schlaf, ei-lu-lju. Tanzt mit dir im Kreis voll Freud, 

In Rmerika ist dein Vater, Doch dein Mütterchen, mein Liebling, 

Schlaf, ei-lu-lju. Weint und weint vor Seligkeit 

Ei da drüben, weisst du, Liebling, Bis das Briefchen kommt — fein stille, 

Ist das Leben wundersüss. Schlaf, ei-lu-lju, 

Qberm Meere, weisst du, Liebling, Schlafen ist die beste Pille; 

Ist es wie im Paradies. Schlaf, ei-lu-lju. 



20 



BERUN. t^a t^ü t^ü t^^ü fC^Si ^^a t^ü BERTHOLD FEIWEL. 



IUI» t^sk c^Ei» tasat €^e» 



LIED DES IRRENDEN GESELLEN. 

VON J. ELJASCHOFF (KOWNO). 

T. a E. GEWIDMET. 

Und wieder verjagt und wieder vertrieben. 

Humple ich weiter den finsteren Weg. 

Von den Jahren, die waren — was ist mir geblieben? 

Es fällt kein Schein auf den finsteren Weg. 

Doch auf dem Rücken schlepp' ich ein Bflndel, 
Armseliges, altes Gerumpel — fürwahr: 

Ich und mein Bündel, ich und mein Bettel, 
W^ir reisen zusammen, wir sind ein Paar. 

Von den Jahren, die waren, wer hilft mir vom Jammer? 

Ich schleppe ihn mit bei jedem Schritt: 

„Fort, fort! Ich mag keinen solchen Gefährten, 

Dessen Schatten mir nachhuscht bei jedem Schritt!" — — 

Und es höhnt im BOndel das alte Gerumpel, 
Ein schrilles Klirren — ich höre es klar: 
„Du und dein Bettelsack, du und dein Bettelpack 
Bleiben für immer und inuner ein Paar.*^ 



K^fi> (AUTORISIERTE UEBERSET2UNG AUS DEM JUEDISCHEN VON BCRTHOLO FEIWEL.) 

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r^ r^ «^ DAS LIED VOM CHEDER. .^^ c^ ^^ 

VON S. FRUG (PETERSBURG). 



Zum Cheder, Kinder 1 Seht, im Wald Jawohl, das ist das Kinderlied. c^s» 

Verwelken, fallen schon die Blätter, c;^»? So klang's, so klingt's seit langen Zeiten. 

Und Wolken schwarz und Wolken kalt Doch horcht! Als wär's ein Weinen, zieht 

Ziehn auf und künden schlimme Wetter. Ein andres Lied durch meine Saiten. 

Der Hütten festlich - grünes Dach c^i? Es ragt ein alter, alter Baum tisi? 

Ist schon zerfallen und verdorben, CsStR Mit toten Träumen in die Lüfte. Css« 

Die Zweige hangen dürr und schwach, Dem feuchten Grund, dem Moderraum 

Ihr Glanz und Duft ist längst erstorben. Entquellen Keime böser Gifte, t^st 



Zum Cheder, Kinder I — ruft der Wind, Wohl übern Wald die Zeit rauscht hin, 

Zum Cheder! — hallt ein Donnerrollen. Und Blitze zucken, Donner hallen, risi» 

Du willst nicht? Ei, ein jüdisch Kind, Wohl viele hundert Jahre ziehn, v^st 

Ein jüdisch Kind, es soll nicht wollen? Wohl viele tausend Bäume fallen, c^b 

Was, dort ist finster, eng und dumpf? Und immer neues Leben spriesst c^i> 

Ei, badd gewöhnt sich Aug' und Lunge! Mit neuem Blut und neuen Säften, tism 

Sei blass und müd' und schwach und stumpf— Und aus dem Schoss der Erde fliesst 

Wenn Du nur Thora lernst, mein Junge! Stets neu der Lenz mit jungen Kräften. 

Zum Cheder, Kinder! Eilt nur fort! Doch immer starrt der alte Baum Css« 

Jetzt heisst es keine Zeit verlieren — Mit toten Träumen in die Lüfte, c^i» 

Bald wird der alte Lehrer dort t^st Dem feuchten Grund, dem Moderraum 

Ein neues Rohr an Euch probieren — Entquellen Keime böser Gifte — — — — 



Mein armes Volk! Viel hundert Jahr 
Sind über Dich schon hingetrieben, t^st 
Schneeweiss geworden ist Dein Haar — 
Und bist ein Cheder - Kind geblieben. 



„Cheder" = die jüdische Schulstube. 

vast t^st (AUS DEM JUEDISGHEN UEBERTRAGEN VON BERTHOLD FEIWEL) R^« Rö» 
22 



Cid» CMl» CdgR USnt tOnt t^H C^ci> t^mi €äm CUf» IUI» fMfl Otf» IMB CM> iUS> 



ABER DIE STERNE? 

VON 8. FRUQ (PETERSBURG). 

Es glänzt der Mond. Es glänzen die Sterne 

In wallender Nacht über Berg und Thal ... — 

Und wieder les' ich die uralten Blätter; 

Ich las sie tausend und tausende Mal. 

Und wie ich lese die heiligen Worte, 

Hält mich eine Stimme gebannt: 

„Mein Volk, Du wirst sein wie die Sterne am Himmel, 

Wie am Meeresgestade der Sand." 

Ich weiss es, mein Gott: Von Deiner Verheissung 

Wird sich erfüllen das leiseste Wort 

Ich weiss es, mein Gott: Es sucht nur Dein Wille 

Die richtige Zeit, den richtigen Ort. 

Und eines hat schon die Erfüllung gesehen. 

Ich hab' es mit allen Sinnen gefühlt: 

Wir sind zu treibendem Sande geworden, 

Von jeglichem Fusse durchwühlt . . . 

Es hat sich erfüllt! . . Wie Sand und wie Steine 

Zerstreut und zerstoben zu Schande und Spott! 
, . . Nun aber die Sterne mit leuchtendem Scheine, 
Die Sterne, die Sterne, wo sind sie, mein Gott? . . • 

CiSi? (DEM JUEDISCH-DEUTSCHEN NACHGEBILDET VON THEODOR ZLOCISTI.) 

23 



t^St t^St ts^St Rä^ ts£St ti^St STURM. (^^■^ <^^*^ ^^^^ ^^^^ ^^^^ '^'^^ 

VON MORRIS ROSENFELD (NEW-YORK). 

(AUS „LIEDER DES GHETTO".) * 

Der höllische Sturm rast übers Meer. 

Hoiho! Wie er nach Beute lechzt! 

Ein Schiff! Drauf los! Doch das setzt sich zur Wehr, 

Es biegt sich und bäumt sich und stöhnt und ächzt. 

Es krachen die Masten, wild flattern die Segel, 

— Jetzt fliegt es vorbei an dem tödtlichen Riff — 

Sie kämpfen und streiten und raufen und ringen 

Auf Leben und Tod, der Sturm und das Schiff. 

Jetzt muss es sich ducken, jetzt muss es sich stellen, 

Jetzt treibt es zurück, jetzt treibt es voraus, 

Jetzt ist es nur noch ein Spielzeug der Wellen, 

Die Wasser verschlingen's und speien es aus. 

Es braust die See, auffliegen die Wogen, 

Es dampft und kocht und siedet der Grund, 

Blut will der höllische Sturm, der Mörder, 

Ein grausiger Abgrund reisst auf seinen Schlund 

Da hört man ein Jammern, ein Schreien und Weinen. 

— Entsetzlich die Angst und schaurig die Not — 

Jedwedes betet zu seinem Gotte: 

„Rette uns, rette uns, Herr, vor dem Tod!* 

Da wimmern die Kleinen und klagen die Weiber, 

Und alles bekennt voll Reu' seine Schuld. 

Es flattern die Seelen, es zittern die Leiber: 

„Erbarme dich unser in Deiner Huld!" 



24 



Dort unten, im Zwischendeck, nebeneinander 

Sitzen zwei Männer, ruhig und stumm. 

Sie sinnen nicht Rettung, sie falten die HSnde, 

Als war' es friedlich und heiter ringeum. 

Ea brüllt die See, auffliegen die Wogen, 
Der Sturmwind hält heulend sein Schreckensgericht 

Es schnaubt der Kessel, ea zischt im Kamine, 
Sie schweigen und schweigen und rühren sich nicht. 

Sie schauen dem Tode furchtlos ins Auge, 

Sie rührt nicht des Sturmes teuflische Macht, 

£3 ist, als hätte das Grab sie geboren 

In schreckensharter, finsterer Nacht. 

Wer seid Ihr, sagt? Wer seid Ihr, Ihr Armen, 

Die schweigen können in qualvollster Not, 

Die keine Thräne, kein Angstwort finden, 

Indes seine Thore ö£rnet der Tod? 

Sagt, haben Euch wirklich Gräber geboren. 

Habt Ihr nicht Eltern, Weib und Kind, 

Nicht einen, dem um Euretwillen 

Eine Thräne aus dem Auge rinnt? 

Und habt Ihr nicht ein Stückchen Heimat, 
Kein freundliches Stübchen im Vaterhaus, 
Dass Ihr das Leben schweigend verachtet. 
Und schweigend anstarrt den Todesgraus? 



25 



Habt Ihr denn keinen im Himmel droben, 

Zu dem Ihr betet in Not und Gefahr, 
Kein Land, kein Volk, zu dem Ihr gehöret, 
Kein Haus, keinen Herd und keinen Altar? 

Tief gähnt der Abgrund, auffliegen die Wogen, 

Es krachen die Balken, die Leiter bricht. 

Es brüllt die See, es heulen die Winde, 

Und einer von den Zweien spricht: 

„Uns hat nicht der schwarze Friedhof geboren. 

Und unsre Wiege war nicht das Grab, 

Uns schenkte ein guter Engel das Leben, 

Und Liebe und Treue uns zärtlich umgab. 

Eine teure Mutter hat uns erzogen 

Und hat uns voll Liebe ans Herz gedrückt, 

Uns küsste und koste ein gütiger Vater 

Und hat uns voll Lust in die Augen geblickt. 

Wir hatten ein Haus — doch das Haus ist zerbrochen. 

Und unser Heiligstes hat man verbrannt, 

Das Liebste und Beste — verwandelt in Knochen, 

Die Letzten grausam gejagt aus dem Land, 

O, unser Land, es lässt sich erkennen: 

Die Spuren sind da von Elend und Not, 

Von wilden Hetzen, von Sengen und Brennen, 

Von Judenverfolgung und Judentod. 



26 



Und wir sind Juden, armseli(;e Juden, 

Ohne Freund, ohne Freud, ohne Hoffnung auf Glück, 

Fragt uns nicht mehr! — Doch wollt Ihr es wissen: 

Amerika treibt uns nach Russland zurück. 



Es treibt uns dahin, woher wir geflohen 

— Wir sind ja nur Juden und haben kein Geld! - 

Doch nun, was sollen wir noch erhoffen? 

Was soll uns das Leben, was soll uns die Welt? 



Ihr habt wohl Grund zum Weinen und Beten 
Und mögt Euch entsetzen vor jähem Tod. 
Habt alle ein Heim, darinnen zu wohnen. 

Euch jagt übers Meer nicht die grausame Not« 



Doch wir sind verloren, verlassen wie Steine, 

Die Erde gibt uns kein Fleckchen frei, 

Wir fahren. Doch keiner erwartet uns drüben. 

Vielleicht wisset Ihr, wohin fahren wir zwei? 



Mag's brausen nnd brüllen und sieden und kochen. 
Mag's stürmen und stürzen um ans her. 
Wir sind verlorne, verlassene Juden — 
Unsere brennende Wunde löscht nur das Meer** . . 



(AUS OEM JUEDISCHEN DES MORRIS ROSENFELD. UEBERSETZT VON BERTHOLD FEIWEL.) 

27 



f^i» K^s» t^St t^St K£» K^i» K^i» K^i> C«^«» C^i» 



DAS GROSSE WECKEN 

(EZECHIEL 37.) 

Kam über mich die Hand des Herrn. Es trug 
Der Geist des Herrn mich fort wie Adlerflug. 

In einem düstern Thale fiel ich nieder, 

Darüber bleiern Todesschweigen hing, 

Da Moderduft den Odem mir umfing, 

Und wo ich schaudernd stand und schaudernd ging, 

Da rasselt's um mich her wie Totenglieder. 

Aus bleichen Nebeln glitt ein Dämmerscheia 

Und zittert über fahles Leichenbein, 

„Wird je, o Menschensohn, dies wieder leben?" 
Des Herren Stimme klang. Und ich mit Beben: 
„O Ewiger und Herr, du weisst's allein!" 

Drauf er: „Mit eignem Munde sollst du's künden! 
O Menschensohn, tritt vor dies Gräberheer, 
Du, ihr Prophet, weissage den Gebeinen! 
Sprich: Lauscht, Gebeine! Also spricht der Herr: 
Ein Geist wird in euch fahren und euch einen, 
Wird Bein zu Bein und Glied an Glieder binden, 
Wird Adern führen, Fleisch um Adern winden 
Und rosge Menschenhaut darüber ziehn, 
Und neues Leben wird in euch erglühn 



28 



Und lebenswarmes Blut den Leib durcblcr eisen, 

Ihr werdet aufstehn und wie Kinder blühn, 

Ihr werdet aufstehen und den Ewigen preisen/' 

So riefs in mir. Und bebend tbat mein Mund 
All dem Gebein des Herren Stimme kund« 

Und wie ich sprach, erglomm's wie femer Tag, 
Die Winde hoben rauschend ihr Gefieder. 
Und ostwärts kam's daher wie Flügelschlag, 
Mit kühlem Wehen strich es auf und nieder, 
Vom Grunde stieg ein Duften frisch und milde, 
Und Rosenschein ergoss sich im Gefilde. 

Da war ein Zittern rings and war ein Regen, 
Wie wenn im Morgenwind die Felder beben: 
Ein Rascheln, Hasten, Wirren, Sichbewegea, 
Ein Trennen und ein Zueinanderstreben. 
Und Bein zu Bein, ein ruhlos Schlangenwandem, 
Ein emsig Gleiten, Schweben, eins zum andern. 

Wie leises Regenplätschem fing es an. 

Wie Bienensurren dann und Taubenschwirren, 

Wie Palmenwipfel brausen, schwoll's heran. 

Und tobt* wie Männerkampf und Waffenklirren. 

Und Glied um Glied stand auf und wuchs empor, 

Und Haupt an Haupt starrt' im Gespensterchor. 

Und wieder still. Und wieder sftuselt's Und, 
Und wieder rauscht ein Flügelschlag im Wind. 

Da schüttelt Schauem, wie im Lenz die Tannen, 
All das Gerippe, dass es dumpf erklang. 



29 



Und all die Dürre knospend überspannen 
Geäder und Generv und Sehnenstrang, 
Und schwellend Fleisch sah ich darum sich breiten, 
Und rosge Haut die Leiber überspreiten. 
Die Brüste hob ein langer Atemzug, 
Vom Herzen auf die Lebensröte schlug, 
In Arm und Lenden dehnt sich's straff und stark, 
Im Nacken bäumte sich das Lebensmark. 

Da war ein Volk von Helden, nicht von Leichen! 
Da war aus Grabesstille Jubellaut, 
Da war ein Grüssestammeln, Händereichen, 
Ins- Auge -Schaun, Umarmen, Kosen traut, 
Heiss Liebeflüstern, lachend Thränenweinen, 
Und alles, alles — Preis dem ewig Einen. 

„Kennst du dies Volk?" so sprach der Herr zu mir— 

„Aus Gräbern zieh' ich's an das Licht herfür! 

So tief schläft nimmer dieses Volks Gebein, 

Ich weck' es auf und hauch ihm Leben ein; 

So weit ist's nimmer in den Wind verstreut, 

Ich rufe sie, ich sammle sie zur Zeit! 

So finster ist kein Winkel dieser Welt, 

Dass er vergessen sie im Kerker hält; 

Von Nord und Süd , vom fernsten Erdenrand 

Führ' ich sie heim in ihrer Väter Land, 

Auf Adlersflügeln trag' ich sie daher, 

Mein Volk, mein Israel!" 

So sprach der Herr. 



BERN. K^i> t^a C^« t^Si t^St ISRAEL AUERBACH. 



30 



€a^ i^esi f^e« tasst täm umt ti^ea €^m ium ccn SiS» iwr t^nt küii kür 



ZWEI TAENZE 



(AUS DEM CYKLU8 ..ELI8CHA BEN ABUJA. GENANNT ACHER") 

EINER HELLENIN ZUGEEIGNET. 



An jungem Feld steht Acber mit den SchOlem. 
Der Abend ist in stiller Pracht gekommen 
Und alle Seelen rührt ein Segen an. c<£» 
Da fasst sich einer von den JUngern Mut 
Und spricht zum Meister: „Sieh! Ist's hier nicht schön? 
Mischt sich nicht Erd* und Luft in einem QlOhen? 
Strömt es nicht stolz und reich und sehnend frei 
In jedem Halm, in jeder Vogelkehle? KäXt 
Und wir, die's fühlen, sollten hässJioh sein? 
Wir sollten nicht in heisser Schönheit blQhen? 
Das Volk, das all' dies sieht, sollt' es nicht leben? 
Oh du, du sprichst uns immer nur von Jenen, 
Homer dem Hohen und dem Büdner Phidias. 
Und jenem Volk, darin sie wachsen durften, — 
Sieh her, schau tiefer, ist hier wirklich nichts. 
Kein Sang, kein Schaffen, keines Traums Gestaltung? 
Nichts? Nichts? . . .- 

Elischa schweigt, er senkt die Stirn. 
Das Feme, Tote überflutet ihn. c^kr v^est vam t^st 
Dann spricht er leise: »Ja — ich seh* es noch — 
Ja— Schönheit— Gott — ja wir sind voll des Wunders. . . 

Ich will euch von zwei Tänzen jetzt erz&hlen .... 



31 



Den einen sah ich einst, aut einer Keise. 
Hellenen waren's, junges, tolles Volk, 
Bedeckt mit Rosen die geschürzten Kleider. 
Sie hatte sacht auf grünem Plan die Freude 
Gefasst und je zwei braune Jünglingsarme 
Um eines Mädchens zarten Hals gelegt. 
Dann, wie die selige Stunde üerfloss, 
Könnt keiner mehr des Rausches Fülle tragen. 
Und jeder löste zitternd das Umfangen 
Und jeder fasste seines Mädchens Hände, 
Und dem Zusammenklange vieler "Wonnen 
Entschwebte leis und wunderbar ein Reigen. 
Und so entzückend war das Spiel der Leiber, 
So friedvoll süss der Glieder Melodie, 
Dass es mir schien: jetzt atmet Mutter Erde 
Aus schwerem Traume auf und fühlt befreit 
Der Kinder schönes, vogelhaftes Glück. 

Den andern sah ich — ach wie lange schon! — 
Als Knabe, doch mir ist's als sei es heut: 
Denn junge Juden haben ihn getanzt .... 
Es war das Fest der Freude am Gesetze. 
Gen Abend ging's, der Abend kam wie heut. 
Ich lag am Waldsaum, träumte mich weit fort. 
Denn das Gesetz war mir schon da verhasst 
Wie Fesselstricke oder Käfiggitter, r;^« c^» 
Da seh' ich einen langen Zug erscheinen 
Von Jünglingen in priesterlichem Kleide. 
Die schreiten langsam, Fackeln in denHänden, 
Und schreiten langsam, stumm an mir vorüber 
— Ich sehe immer neue Fackeln brennen 
Und immer neue Augenpaare leuchten — 
Und schreiten durch den Wald bis hin zur Wiese, 
Die man „die Stätte Biijahus" nannte. 
Ich ihnen nach. Sie bilden einen Kreis 
Und heben erst die Fackeln all empor, 



32 



Dass ein gewaltiger Purpurkranz erstrahlt, 
Und beben auch die Augen, und es glUht 
Die Opferflamme hundert junger Seelen 
In einem starken Flug zum Himmel auf. 
Dann lösen sie den Kreis, doch schlingen schon 
Zehn neue sich: der Wechseitani beginnt. 
Nicht zwei und zwei - sie tanzen in Gemeinden. 
Und die in einem Kreise sich bewegen« 
Sind LebensbrUder und einander eigen, — 
Das sieht man. Denn im Zueinanderkommen 
Schaut Aug' in Auge, Seele taucht in Seele: 
Sie lieben sich mit einer grossen Liebe, 
Die stark ist wie der Tod und ewig dauert. 
Und jeder schmiegt die eigene Sehnsuchtsglut 
An die des Freundes ; denn sehnsüchtig sind sie 
Und lechzen, alle Schranken zu zerbrechen 
Und im Unendlichen wie Oott zu sein. 
In diesem Bangen strecken immer wieder 
Erst scheu, dann wild und stürmisch sie 

die schlanken 
Und milchig weissen Arme, werfen hoch 
DenFackeInbrandderHimmelsnachtentgegen, 
Aufrecht, wie kämpfend — oh die freuen sich 
Nicht des Gesetzes — Sturmessöhne sind sie 
Und in dem Fieber ihrer Herzen schlummert 
Das neue Wort, das einst die Welt erneut . . . 



Und Acher schwieg. Die Schüler standen schweigend. 
Bis Einer sprach: „Nun, Meister?" — «Stilll der Tans 
Ist tot! . . ." Doch Jener: „Nein — er lebt in uns — 
Sieh' uns ins Aug' — er lebt in unsem Seelen — 
Er wartet nur — sieh her!" — Und Acher sah. 



WIEN, zasa t^n t^n tagst taist taaa teast k^h» tiäm BtfB fig» c^R iwi» MARTIN Bueea 

13 



t^» t^m t^St tt^St t^St Ks£it C^lt t^A Cs^i? K^i» K^it C^St t^i^ VsSSt R^it Ik^iH 



AHASVER-GEDICHTE. 

AHASVERS SEHNSUCHT. 



Ihr glaubt, ich lechze nach dem Tod . . . 
Ist Tod Versiegen nicht des Lebens, 

Und Leben nicht 

Ein wunderbarer Ewigkeiten-Trank, 

Ein schäumend Dursteslöschen 

Bei sonnengoldner Becher Klang, 

Ein lichtes Trunkensein, 

Niemals zu lang? — 

Und ich sollt' sterben wollen? 

Ihr glaubt, ich lechz' nach Ruh .... 

Solang* ich meine Geistesfaust 

Herniedersausen lassen kann 

Auf spröde Ewigkeit, 

Und eingraben meine Willenskrallen 

Ins warme Fleisch der Zeit, 

Solang' ich harren kann und stürmen 

Und lodern kann in Kuss und Streit, — 

Solange brauch ich keine Ruhl 

Ich mag nicht Tod, ich mag nicht Ruh! 

Was mir die Pulse hetzt, 

Was mir die Furchenschrift 

Ins Antlitz hat geätzt, 

Es ist das bange Schauen 

In eurer Blicke 



Stummes Grauen 

Vor meiner Art; 

Es ist das Echo eures Hohns, 

Ich hätt' ein Herz aus Stein und Eis, 

Wo ich ein Gären doch und Gluten, 

In meinem Innern weiss; 

Es ist der kalte Griff der Angst, 

Die an mir hängt und mit mir schleichl 

Durch all die weiten 

Herzenfernen 

Einsamkeiten 

Meines Wegs. 

Oh, war' ich endlich schon am Ziel, 

Dass dieser Spuk vorbei 

Und meiner Seele 

Nicht mehr so bango sei, 

Dass eurer Augen 

Helle Grüsse 

Gläubig zu mir gleiten 

Und meines Schaffens Spur 

Freunden gleich geleiten! 

Oh, war' ich schon am Ziel! 

Ich will nicht sterben, 

Ich will nicht ruhn. 

In eurer Liebe will ich leben 

Und meine Wunder thun! 



34 



IHR UND ICH. 



Ihr habt mir das Schwert aus den Händen sewondeOf 

Die Krone gerissen vom Königshaupt, 

Ihr habt mir den Rücken krumm gebunden. 

Den kecken, den siegenden Blick geraubt! 

Ihr habt mich aus einsamer Höhe gestossen, 

In wimmelnde Tiefe hinabgedrängt, 

Ihr habt meinen Stolz, den reinen und grossen. 

In Schmutz und Schlamm und Sumpf ertränkt I 

Ihr habt mich gehalten in dumpfen Verliessen 
Und habt mir gestohlen die jauchzende Welt. 
Ihr habt mich betrogen ums Glückgeniessen 
Und habt mir den Sinn meines Lebens entstellt I 

So will ich euch fluchen und will euch hassen! 
Doch nein! — ich entkam ja der Schmach und Not; 
Wohl könnt ihr's in eurem Dünkel nicht fassen. 
Wie blutend Leben weiter loht: 

Aus meinem Herzen hab' ich gesogen 
Viel sonnige Fäden so fein und fest, 
Und hab' mir daraus zusammengewoben 
Ein neues, lauschiges Weltennest. 

Aus meinem Geiste hab' ich geschmiedet 

Mir hurtig Krone und Schwert zugleich. 

Nun rag' ich aufrecht und glanzumfriedet 

In meinem jungen Gedankenreich. 

Und hole aus tiefen Seelenverstecken 

Mein Wollen, den zeugenden Stxirm, hervor. 

Und lass' ihn wirbeln und lass' ihn wecken 

Aus Ahnen und Denken die Thaten empor! . . . 

So will ich euch segnen und will euch lieben 

Soviel und so schwer ihr gesündigt an mir! 

Denn ich bin das siegende Opfer geblieben 

Und reue verfallene Henker ihr! 



35 



AHASVERS GEBET. 

Aus keinem Auge blinkt ein goldiger Tag, 

Aus keinem Munde klingt ein Lebenslied! 

Nur graue Steine, bunte Lappen 

Und gleissend weisses Licht darauf, 

Rädergerassel und Trittegetrappel, 

Dazwischen aus heiseren Kehlen Geschrei . . . 

Mich hungert nach Sonne, oh Herr, 

Mich dürstet nach jauchzendem Sang! 

Oh, lass meine darbende Seele 

Nicht bleichen und welken 

In dunklem Glanz und stummem Lärm! 

Führe mich auf deine weiten Sonnenwiesen, 

Zu deines Liedes sprudelnden Quellen 

Führ mich, oh Herr! 

Keine Wange, die in rosiger Scham sich färbt, 

Keine Thräne, von heisser Liebe geweint! 

Nur sieches Blass und dreiste Röte, 

Ein frevelnd Lachen an Glückessärgen, 

Seufzergeheimnis und Redegesäusel 

Und nackter Almosen Klimperklang .... 

Oh sieh, wie ich friere, Herr, 

Wie ich zittere nach deinen Gluten! 

Oh, lass mein schrumpfendes Herz 

Nicht erstarren und brechen 

In Geckendemut und Bettelstolz! 

Führe mich auf deine warmen Sonnenwiesen, 

Wo die duftigen Blümchen der Liebe blühn, 

Führ mich, oh Herr! 



36 



Doch braust nicht der Dampfsturm durch die Lüfte oben, 

Schwirrt nicht durch tausend Drähte der heimliche Blitz 

Und rast wie toll daher mit seiner Last 

Von Wagen, Leibern. Zeichen, Tönen? 

Und steht am Hebclpunkte dieser Wunder 

Nicht stolz und gross der schwache Mensch 

Und bohrt die Femenblicke, 

Die kühnen, in die stumme Nacht? . . . 

Ob, gib mir nichts aus dieser Wüste, 

Nur diese Blicke 

Gib mir mit auf meinen Weg, oh Herr, 

Lafs mich einmal das Reich der Weisheit 

Auch auf Sonnenwiesen gründen! 

Führ mich, oh Herr! 



IM WALDE. 



Seltsam sonnenfremdes Licht 

Sickert durch die Erdenporen, 

Schleicht so grau an mir hinan, 

Und ich stehe wegverloren. 

Such im wirren Reigentanze 

Greiser Bäume meine Bahn. 



Und die Alten schütteln still 
Ihre blätterschweren Kronen, 

Wo in dumpfer Nestesruh 

Scheue Waldesratsel wohnen. 

Und sie rannen, und sie flüstern: 

Armer, armer Sucher dul 



DIE BLUETENBLAETTCHEN. 

Was zittern die Blütenblättchen Ach ja, meine Hand, sie fiebert. 

So leise in meiner Hand, 
Als wie ein verjagtes Volk 
In fremdem, in Feindesland? 

WIEN. C^fiR tae» taeSt Ctf!» I»B Ktfi» t^FR 



Sie ist so trocken und heiss. 
Die BlAttchen ahnen den Tod, 
Drum zittern sie so leis . . . 



MATHIAS ACHER 

37 



t^st t^ssi r^si) c^en c^n a^s c^a c^n tasst t^st t^st tk^st tasst t^st däst r^» 



JEREMIAS. 

(NACH DEM BILDE VON LESSER URY.) 



Ruf Bergeshöhe, nicht auf deine Höhe 
Gelangt die Sehnsucht meiner stummen Seele, 
Rllvater, Sternehüter, Herr, mein Caott. 
CJnweit]erusalems,derStadt, wo Menschen wohnen. 
Erstieg ich diesen Berg, und nicht zu dir. 
Zu mir kam ich, zu meines Geistes Qipfel. 



Des Menschen, den du nach dir selbst geformt, 
Und dieses Rätsel — daran scheitern wir. 
Das ist der Fels im wilden Meer des Seins, 
Zu welchem immer wieder unser Schifflein, 
Dem Steuer unsres Willens trotzend, hintreibt. 
Und jäh zerschellend wirft es uns ins Meer. 



Und also iagr* ich mich. Machtschatten, Qram 
Umhüllen Trauerschleiern gleich die Glieder, 
Und meine Rügen bangen in die Höhe, 
Wo fern im Blau die bleichen Sterne zittern. 

Wo bist du, Herr? Wo waltet dein Gebot? 
in uns nicht, denn du hast uns ganz verworfen. 
Und dort auch nicht, wo sich das Firmament 
Dem Rüge schliesst, dem blinden Geiste offen, 
Ins RH ihn lockt, das ewig ihm versagt. 
Denn sieh, du bist kein weitgeflügelt Wesen, 
Das über uns von Stern zu Stern sich schwingt — 
Du bist das Ziel, der innigste Gedanke 

38 



Wo bist du, Herr? In uns nicht, und auch droben 
Bei einsam hohen Sternenscharen nicht. 
Und doch in uns, und droben auch, denn wir 
Erblicken dich, und du hast uns erblickt. 

Wo bist du, Herr? 

Du hast mich eingesetzt. 
Durch tausend Menschenalter soll ich wandern, 
Ein ruhlos Gleichnis dieser argen Welt. 
Und in mein Herz gabst du zu jener Stunde, 
RIs über mir der Rether, unter mir 
Das Meer im Schauer der Erwartung lag, 
Die Gabe, dich zu künden, deinen Willen 
Ins harte Herz zu hämmern allem Volk. 



Du salbtest mich, und ich ward dein, o Herr, 
Und treulich that ich meine schwere Reise. 
Denn wer die Wahrheit trägt in dieser Welt, 
Der trägt ihr Weh, und schwer, mein Vater, schwer 
Ist's, so zertrümmert noch dein Bild zu sein. 
Ich that's, ich hielt dich fest, ich trug dich weiter. 
Und tausend Wunden decken meinen Leib. 
Mein Qeist ist heil — do nun auch blutet er. 
Vom Qeisselhieb des Zweifels angefallen. 

Bist du gerecht? Du bist es, Herr, mein Qott. 
Sie sahen dich und blendeten sich selbst, 
Sie hörten dich und stopften ihre Ohren, 
Sie hatten dich und schmückten ihren Baal, 
Den gold'nen Moloch, der Ihr Mark verzehrt, 
Mit ihrer Jugend, ihrer Unschuld Blüte, 
ich predigte umsonst. Er lag im Blut 
Und heischte Blut, der dunkle Bruderkrieg. 
•Nun steigt die Plamme der Vernichtung hoch. 
Wie rotes Qold und goldnes Blut erstrahlend. 
Und schwarze Trümmer, Kinderleichen, Qlück 
Von Tausenden verschafft der Flamme Hahrung. 
Sie weinen, raufen sich die Haare, schlagen 
Die gramverzehrte Brust, und starren Ruges, 
Mit jenem Vorwurf, der den Schlaf mir raubt, 
Umstehn sie mich und flüstern: Jeremias! 
Du sprachst die Wahrheit, hast uns gut gewarnt, 
Doch sprich, ist dies Gerechtigkeit bei Qott, 
Oass wir, die Erben tausendjährigen Fehls, 
Mun büssen sollen unsrer Väter Sünde? 
Dass unsre Kindlein, die wie Sonnenstäubchen 



f\m Weinberg spielten, jetzt gemordet sind, 
Qemordet von 6ti Pöbels Tigerpranken? 
Dass unsre jungfraun, Rosen, bleiche Rosen^ 
Zerpflückt, geschändet nun im Kehricht liegen? 
Und wir, wir selbst, die wir das Haupt so hoch. 
So frohgemut zur Mutter Sonne trugen, 
Dass wir den Tempel Salomos zerstört 
Und uns in Ketten, uns verspottet sehn? 
Prophet, Prophet I Du hast nur dich erlannt, 
flicht uns und unsres Daseins tiefe Wurzel 
Denn unser Leben, siehe, ist zu kurz. 
Um nur zu ringen, zu entsagen nur — 
Es blüht die Welt, und ihr geliebtes Bild, 
Ihr Weckruf ist uns mehr als dein Qatflssai* 
Wir thaten, was wir mussten. Musstest du 
Mit einem Richter, 6tn du nie geseh'n, 
Die freie Schwinge unsrer Seele lähmen? 
Die Sünde ist ein Schatten nur der That — 
nis wir sie kannten, unteriagen wir, 
Als wir bereuten, waren wir gedllen. 
nicht Qold, nochQoldes Trug ist das Verdert>en — 
Der Starke kann nur am Gewissen sterben. 
So sprachen sie, mein Qott, und ihre bleichet^ 
Erzürnten Mienen hoben sich gespenstisch 
Vom Feuerscheine der Zerstörung ab. 
Ich aber hob die Faust schon, dein gedenkend, 
Um Schlimm'res noch den Frevlem zu verheissefl^ 
Da sah ich einem Kinde ins Qesicht, 
Das wund und schwach im Schoss der Mutter lag 
Und mich mit dunklen Fieberaugen ansah, 
Als wollt* es sagen: Wehe dir, du Böser. 



und dieser Blick — ich trag' ilin im Qemüt, 
Bin waffenlos; ein alter Mann geworden 
Vor diesem Blicl<. Denn mit denSchlecliten sah ich; 
Verdammte ich die Quten, mit den Wölfen, 
Die ihn zerrissen, tötet' ich den Hirsch. 
Ich bin ein Mensch, ein armer Mensch, wie sie. 
Und trag' ich wirklich dich in meiner Seele? 
Stammt das, worin ich jene übertreffe, 
Von dir, der über meinen Kräften herrscht? 
Ciib mir ein Zeichen, ich zerbreche dran. 
Es ist zuviel, das wilde Leid der Welt, 
Es ist zuviel, dass ich es ihr verkündet 
(Jnd nun nicht heilen kann. Qib mir ein Zeichen! 
Ich bin ein Mensch, ein armer Mensch, wie sie. 

Der Himmel schweigt. Die Sterne funkeln kalt, 
Sie hören nicht die Stimme dieser Erde. 
Kein Lichtstreif zeigt im blauen Dunkel mir, 
Dass Qott mich kennt. Mein, dasQottistI — Frevel 
und Wonne auch des Herzens, unerhörti — 
Qott ist nicht über mirl — Still, meine Seele, 
Verbirg sie noch, die Leuchte dieser Macht . . 
Denn jene unten in Jerusalem, 
Sie könnten solche Freiheit nicht begreifen . . 



3etzt, wo ich mich, mein eig'nes Werk verwarf. 
Um ihn, des Vaters Stimme, zu vernehmen, 
Und nur mich selbst, mich selbst vernehmen darf, 
Jetzt will ich mich auch meiner selbst nicht 

schämen! 
Den Qott in meiner Seele ruf ich an, 
Da über mir kein göttlich Wesen waltet — 
Ihr Sterne über mir, ihr seid erkaltet. 
Ich bin das Leben, ich, ein freier Mannt 
Ruf, alter Mensch — verlasse diesen Berg 
Und bringe den Verzweifelten die Kunde; 
Ihr habt genug gebüsst! 3etzt geht ans Werk! 
Ich spreche als Prophet aus Qottes Mündel 
Macht euch vom Qolde los, so seid ihr frei! 
Wie arm und elend auch der ärmste sei^ 
Er ist der heil'ge Reker seiner Kinderl 
Wenn ihr als Qeister euch zu Qeistern wendet, 
Mit freiem Munde Recht und Wahrheit spendet. 
So seid ihr göttlich, seid ihr Ueberwinderl 

Vom Berge eilte der Prophet herab 
Und gab dem Volk, was er sich selber gab. 
Und jenes sprach : Hört, was der Weise spricht — 
Jetzt hat er wahrlich Qott im Rngesicht. 



GEORG HIRSCHFELD, c^w Csg« R^i» (AUS DEM „TAG".) K^i» t^vt t^Si BERLIN 

40 



CflEK c<£i9 i<äs» t^m t^e» c^cn utm^wm t^e» 

SCHLAFLIED FUER MIRJAM 

Schlaf mein Kind — schlaf, es ist spät! t^e» 
Sieh, wie die Sonne zur Ruhe dort geht, cwf> 
Hinter den Bergen stirbt sie im Rot. c^eiY 
Du — du wcisst nichts von Sonne und Tod, 
Wendest die Augen zum Licht und zum Schein; 
Schlaf, es sind soviel Sonnen noch dein, cwf> 
Schlaf mein Kind — mein Kind, schlaf eini 

Schlaf mein Kind — der Abendwind weht; 
Weiss man, woher er kommt, wohin er geht? 
Dunkel, verborgen die Wege hier sind, tost 
Dir, und auch mir, und uns allen, mein Kind! 
Blinde — so gehn wir und gehen allein, i^est 
Keiner kann Keinem Gefährte hier sein — iwf» 
Schlaf mein Kind — mein Kind, schlaf ein! 

Schlaf mein Kind und horch nicht auf michl 
Sinn hat's fUr mich nur, und Schall ist's für dich; 
Schall nur. wie Windeswehn, Wassergerinn, 
Worte — vielleicht eines Lebens Gewinn! t^g» 
Was ich gewonnen, gräbt mit mir man ein, 
Keiner kann Keinem ein Erbe hier sein — i^ef» 
Schlaf mein Kind — mein Kind, schlaf ein! 

Schläfst du, Mirjam? — Mirjam, mein Kind, 
Ufer nur sind wir, und tief in ans rinnt 
Blut von Gewesnen, — zu Kommenden rollt's, 
Blut unsrer Väter, voll Unruh und Stolz. 
In uns sind Alle. Wer fOhlt sich allein? 
Du bist ihr Leben — ihr Leben ist dein — 
Mirjam, mein Leben — mein Kind, sciilaf einl 

WIEN. tsSi t^m €^Ea task t^a Aus: „PAN'. t^st ug» RICHARD BCER-HOFMANN. 

41 



t^R C^i} V^R ^^St t^R Vs^R C^^S? ti^R t^St V^vt tcSSt tiSSt ts^St t^wt t^St t^St 



TISCHAH-B'AB. 

Ich löste dir das Haar — es wallte nieder — 
Die Rosen hab' ich dir vom Haupt genommen: 
Jetzt schliesse deine kühlen Augenlider, t;^« x^^a 
Denn eine stille Stunde ist gekommen, t^a t^n 

Sei still auch du — und lausche meinen leisen 
Geschichten, die wie Märchenworte klingen, c^r 
Und die wie grabentstiegene Zauberweisen c^i? 
Aus fernen Ländern dir zu Herzen dringen. 

Denn Worte, die wie Feindesfackeln brennen, 
Hörst du und fühlst die Nacht mit ihren Nöten — 
Ein weites Trümmerfeld kannst du erkennen 
Und keine, ach, noch keine Morgenröten . . . 

Ins Herz zieht dir das hoffnungsgrosse Sehnen 
Nach Sonnenliedern, Glück und Hochzeitsschleiern, 
Und ist's ein Wahn, so ist's ein selig Wähnen — 
So wollen wir die stille Stunde feiern. t^m< c^i» 



BERLIN, t^mi t^H COH CJöHt» tiSS r^S ti£%t C-Sü C^R t<^R MARTIN FRIEDLAENDER. 

42 



JEWORECHECHO ADONAI I 

C,ES SEQME DICH DER HERR . . .") 

Meinen Eltern zugeeignet 



Qrossvater sprach und seufzte schwer: 
„Qrossvater ist sehr krank, mein Kindl 
Wer weiss, bald siehst Du ihn nicht mehr. 
So wisse: Dass wir Juden sind. 
Der aber unser Schutz ist, Er, 
Der Israel geführt durchs Meer, 
und niederwarf Mizraims Heer. 
Cr segne dich und steh dir bei: 
Jeworechecho Rdonail" 

Qrossvater starb an diesem Tag. 
Ich wusste nicht: Das ist der Tod, 
Der Tod, der alles lösen mag. 
Der Frühling war so rosenrot. 
Das Leben war ein Blumenhag 
Voll Sonnenschein und Lerchenschlag, 
und nur im tiefsten Herzen lag 
Ein Klang wie ferne Träumerei: 
„Jeworechecho Rdonail" 



Der Rosenglanz war bald verblasst 
Das Leben wurde hart und kalt 
und ward ein Kämpfen ohne Halt 
Und ward ein Schleppen schwerer Last 
Da hat mich oft in Drang und Hast 
Die schmerzensbange Angst erfasst: 
Wird mir denn nimmer Fried und f^st? 
Und schrie In mir ein weher Schrei: 
Jeworechecho Adonail" 

Und eine stille Stunde war. 
In dieser Stunde war er da, 
Der gute Qott, wie ich ihn sah 
Dereinst vor langem, langem Jahr: 
In weitem, wallendem Talar, 
Mit schneeigweissem Bart und Haar, 
Die Augen sahen mild und klar. 
Und war ein Segensspruch dabei: 
„jeworechecho Adonail" 



Mun hab' ich meinen lieben Qott 
Das ist kein starker Herr der Welt, 
Vor dem man gläubig niederfällt. 
Man liebt ihn nur, Qrossvaters Qott, 
Den Alten, der um Jakobs Zelt 
In Treue seine Scharen stellt 
Und über uns die Hände hält, 
Dass uns ein Trost in Thränen sei: 
iJeworechecho Rdonail" 



BERLIN. taSui caSü CioSi n^H t^H 



BERTHOLD FEJWEL 



43 



t^St t^R t^st t^^ t^s. 



JUDENLIEDER. 



t^St t^Sk t^» t^St tiSR 



MIRJAM. 



„Mirjam, hast du die Mutter gesehn?" 

— Mutter weint in der Kammer. — 
„Mirjam^ lass deine Träume gehn, 
Sieh; wie die Bäume dich lachend umstehn, 
Wie sie dir Blätter hernuterwehn" 

— Mutter weint in der Kammer. — 



„Mirjam, kennst du der Mutter Ltid?" 
— Mutter drücken die Sorgen. 
Mutter fürchtet des Machbars heid; 
Wenn in der Wiege das Brüderchen schreit, 
Mutter fürchtet die fiebernde Zeit, 
Mutter drücken die Sorgen. 



WAR EIN KLEINES, STILLES HAUS . . . 



War ein kleines, stilles Haus, 
Drin ein Jude wohnte. 
Sabbat war's. Ein Kerzenpaar 
Ruf dem Tische thronte. 



und der alte Jude sang 
Eine Zauberweise, 
und die Mutter und das Kind 
Sangen mit ganz leise: 



Fliege, fliege, mein Qebet, 
Zu den fernen Weiten, 
Wo der Tempel Zions steht, 
Lass die Sehnsucht breiten." — 



„Rlle Sterne trauern hier. 
Und die Rosen weinen. 
Rlle Vögel schweigen hier 
In den fremden Hainen. 



Und das Zauberlied erklingt. 
Weckt aus aller Träumen, 
Und des Kindes Sehnsucht singt 
Von den Cederbäumen. 



WAR EIN JUDE . . . 



War ein Jude und ein Krüppel, 
Und sie peitschten ihn hinaus . . . 
Draussen wüteten die Donner, 
Und es sprach der Qott der Rache: 

„Sieh, du Schöpfung meiner Hände, 
Meine Donner schenk ich dir, 
Dass sie deine Feinde schlagen; 
Denn dein Herz ist eine Thränel" — 



Und es zitterten die Wolken, 

Und der krumme Jude bebte. 

Und er schrie: „Du Qott der Liebe, 

Qib mir meine alte Erdel . . ." 

Da zerteilten sich die Wolken, 
Rite Sonnen kamen wieder. 
Und die weissen Engel sangen 
Judas Zukunftsmelodie. 



WIEN, vassi t^st t^a tssst uss t^sst tosst tos t^a k^r ^ssa t^st Adolph oonath. 
44 



KOüi r^esi t^m 



DAS GERICHT. 



„und ein Feuer fahr nieder rom 
Herrn und verzehrte die zwei- 
honderlfdnfzig Mann . . ." 

rV. B. M., XVI, 86. 



Der Abend kam durchs Sternenthor der Welten 
Und stillte der Empörer lauten Groll. ikCB IM> 
Wie Todesschatten lag auf ihren Zellen 
Das Schweigen bange und erwartongsvoll. 

Doch unter sie war wilde Angst getreten 
Und wies der Sünden frevelnde Begehr; t<£H 
Auf blassen Lippen stammelte ein Beten — 
Doch fem zog schon ein dumpfes Rauschen her. 

Ein Blitz fuhr auf. Die Nacht ward jäh zerbrochen. 
Ein Feuerstrom sank aus der starren Wand, 
Und mitleidslos, so wie sein Wort gesprochen, 
Schlug alle Frevler Gottes starke Hand, t^en 

Mit Dunkel HlUte sich die Himmelsschale. 
In Wolkenflut ertrank des Mondes Hom, 
Des Herren Sturm erbrauste durch die Thale, 
Und von den Höhen wetterte sein Zorn . . . 



WIEN. r^£%i t,£H Cd£«¥ cos» tasü tasn tost taesM t^est kma» cgfll mtmt STEFAN ZWEJQ. 

45 



t^m C^i? ^Si) K^i» t^St täSit t^St t^St t^St K^i» t^R tiSR t^& ts£& K^i? C<^ll 



DAEMMERUNG. 

Der Tag verzittert, die Hyänen lauern. 
Doch aus den Sphären, die in Thränen trauern, 
Wächst eine Orgel, und Choräle schauern 
Wie schwarze Falter in mein wundes Herz. 
Aus Wald und Wolken trieft die Wunderweise, 
Treibt mich gespenstisch in verwaiste Kreise, 
Leuchtkäferchen glühn mir ins Aug' . . und leise 
Lockt mich ein Gnom und lenkt mich gräberwärts. 

Wo bist Du, Orgel? Wie ein Riesenschatten 

Thürmst du dich auf! und wie aus Wolkenwatten, 

Aus Aetherfelsen und aus Dämmerlatten 

Wächst du zur Höhe, weil die Sonne sinkt; 

Und fühlst den Tag dir in die Tasten greifen, 

Den greisen Tag, und seine Klagen schweifen 

Im Fugensturm aus deinen Riesenpfeifen, 

Wie eine Flamme, die sich niederschwingt. 

Und wie ich schweigend durch die Felder gleite, 
Entfärbt die Welt sich und es welkt die Weite: 
Das Licht verröchelt, mit der Nacht im Streite — 
Und Melodieen von geweihter Hand 
Entschweben, schweben aus der Flut der Flore . . 
Und wie ich schluchzend in die Runde höre 
Und staune . . lausche . . . tauchen Glockenchöre 
Auf wunden Flügeln aus dem blassen Land. 

46 



Schon glimmt der Friedhof, wie von Olas tuntpoonen: 
Ein Riesenschlund, darin Milliarden Sonnen, 
Milliarden Kreuze geif erweiss zerronnen; 
Aus schwarzem Rachen starrt das Steingebiss — 
Doch horch, die Orgel hoch im WoUcengrunde 
Schreit wie das Leben, das sich Stund' um Stunde 
Verblutet aus der brunnentiefen Wunde, 
Und weint und schreit und sprengt die Finsternis: 

„Jehovah Du, komm mit dem Rächerstabe !^ 
So kreischt die Orgel „Trag den Gram zu Grat)ei 
„Auf deine Kinder hackt die Not, der Rabe, 
„Hackt in die Herzen und zerwühlt den Raub!** 
Und plötzlich . . plötzlich . . zwischen Graberstufen 
Reckt sich der Tod, scharrt mit den Satanshufen, 
Stösst in die Tuba — — und die Gräber rufen: 
„Schweig, Orgel, schweig! der alte Gott ist taub!" 

Und starre Stille. Doch aus tausend Lungen, 
Aus tausend Bälgen, die im Schrei verklungen. 
Hebt sichs von neuem, klagt mit tausend Zungen. 
Hei, wie das Leid sich durch die LOfte krampfti 
Das stöhnt und — stockt . . . und hinter Wolkenwände 
Birgt sich gelähmt das Spiel der Riesenhände. 
Da naht die Nacht: das ist der Orgel Ende! 
Die Schatten fallen . . und ihr Lied verdampft 



WIEN. taSBt C«dcl» t^^Si tOSt t^ESk €^St IM KtfR CriES» SiOl MBI fiifll ANTON UNONER. 

47 



C£Ei> C^it fj^i) t^R t^St t^St t^ü t^^R t^St t^St t^St t^St K^i> t,£St R^i) K^D 



DER TODTE TAG. 



Nun mag Jehovah still die Arme breiten: 
Da liegt der Tag, mit Blut und Staub bedeckt! 
Und Schatten siehst du durch die Lüfte gleiten, 
Und Lämpchen sind am Himmel angesteckt. 

Das Bahrtuch weht — ein schwarzer Silberzipfel 
Flattert empor und peitscht die Himmelswand, 
Und leise spinnt die Nacht um Wald und Wipfel 
Den Trauerflor mit bleicher Frauenhand . . . 

Es will sich regen, in den Zweigen regen, 
Und weinen will es, und der Abend schweigt; 
Du fühlst, wie rings auf all den trauten Wegen 
Das Grün sich tiefer, immer tiefer neigt . . . 

Hörst du die Sichel durch die Halme schneiden ? 
Das ist der Tod! der stelzt so stumpf und schwer! 
Die Sonne sinkt, die Sonne blickt im Scheiden 
Fast wie ein Mensch, so weltenweh umher; 

Und sieht die Schatten durch die Lüfte schreiten 
Und küsst die Welt noch einmal blutig-rot — 
Nun mag Jehovah still die Arme breiten: 
Der Tag, der letzte Sommertag ist tot. 



WIEN. t^Sk t^st tasm e^i» t^sa t^st t^it t^st v^R t^R t^R c;^«»^ ANTON LINDNER. 
48 



€^ea KMR varmi r^ti tao tum c^en r^m tat» i^m c^en c^n» cvn i^m 

O, VAETER, AHNEN I 

O, Väter, Ahnen! Könnt ihr Antwort sagen? 

Habt ihr gelacht wie wir, wie wir gebebt, 
"Wenn Lust euch letzte oder Schmerz euch brannte? 
Habt ihr das Höchste tief in euch erlebt. 
Habt ihr gefühlt, was keiner noch erkannte? 

Wart eins ihr mit der Erde, mit dem Licht? 
Hob euch der Geist hinauf in Ewigkeiten? 
Zerbrach vor euch der Dämon Zweifel nicht 
Die glutbeschriebnen Tafeln alter Zeiten? 

Mit Gott stritt Jakob einst den grossen Streit. 
Habt ihr des Kampfes Frucht denn je genossen? 
Ward euch der Segen denn seit jener Zeit? 
Habt Frieden ihr mit eurem Gott geschlossen? 

Wart ihr nur Kämpfer? War es euch genug, 
Im Kampfe hart und härter stets zu werden? 
Trug euch so hoch des Geistes Adlerflug, 
Dass ihr den Frieden fandet nie auf Erden? 

Sind wir gleich euch? Habt ihr umsonst gelebt? 
Und werden wir umsonst noch sterbend fragen? 
Der Geist, der selbst das Höchste hat erstrebt, 
Muss er, ein Nichts, Vergänglichkeit ertragen? 

O, Väter, Ahnen! Könnt ihr Antwort sagen? 



WIEN, ti^a ti=H t^w^ Ci£S taSSi U^* tam CtfR Cifi» CWR KtfR 81EQMUN0 WERNER 

49 



K^St t^St Cd£ü Cd^i? ß^» IhSR R^it t^ü. K^A K^iR tt^vt c;^i» Ci^« C;;^^ K^D C^^ii 



ASTARTE UND JEHOWAH. 

Ich sah dich glänzen, Sklavenreich der Nächte, 
Und ass von deines Liebeshaines Zweigen, 
Wo Bajaderen bei erhitzten Geigen k^« 
Bestrickend lösten ihres Haars Geflechte. 

Denn ich war Sklave. Doch der Allgerechte 
Sah meine innre Not und brach das Schweigen; 
Da schwoll der Aufruhr der unzähligen, feigen, 
Hungrigen, siechen und beladenen Knechte. 

Dann brannten einmal die Versöhnungslichter, 
Und heisse Thränen troffen über Kerzen 
Und über dürre, duldende Gesichter. — «:;^« 

Da weint' ich kläglich, wie ein jeder Jude. 
Denn wir gedachten mit zerrissnem Herzen, 
Wie viel verdorben ward von unsrem Blute, 



WIEN. C^^i» ttSSt R^i? R^i? C^;^» ti^H tiSSt t^St t^R t^St Ci^i» V^vt ANSELM LUTWA 

50 



«1, «B «i, «« ERSTER STERBETAG. 



Wenn meine Hoffnung von mir xOge 
Auf Zions Wiederauferstehn, cmr 
Und meine Sehnsucht sich verflöge 
Nach meiner Stadt, Jerusalem, e^w 
Nach Eurem Frieden, Heimatschollen, 
Nach meinem stillen, träumevollen, t<£9 
Verwaisten, armen Vaterland .... 

Wenn diese Hoffnung mir verschwebte, 
Die sonnetrunken in mir lag, c^et» k^b 
Ich wäre tot . . . auch wenn ich lebte I 

Es war mein erster Sterbetag 

Ich würde mein Gewand zerreissen, tos» 
Mit Thränen netzen, schmerzensheissen. 
Mich Armen, dem ein Leben schwand. 

Hält' ich dann sieben Tage trauernd 
Und sieben Male, Nacht um Nacht, k^cr 
Das Haar beascht, am Boden kauernd. 
Die schwarzen Stunden hingebracht, c*fR 
Dann wollt' ich in den Tempel schleichen 
Und meinen ersten Tod beklagen; 
Mit leisen Lippen, leidesbleichen, 
— Nach mir selber Kaddisch s&genl 



BERLIN. :<aeR C^E« taSwt taSSi (C^lSt K^Si C^9 taest fkS) Gitf» GiS THEODOR ZLOCiSTL 

51 



•^■^ MAERCHEN VON EINEM STEIN. «» «^ 



Es liegt ein kleiner, schwerer Stein 

In jedes Juden Seele drein, 

Der drückt ihm schier das Herze ab 

Und führt die Freude früh ins Grab. — 

Will uns der Sturm zu Boden wehn, 

Er hält uns, dass wir aufrecht stehn. 

Lockt uns ein Traum in die Wolkenbahn, 

Er drückt uns fest an die Erde an! — 

Und dieser Stein, der so viel Leid 

Uns bringt und so viel Trotzigkeit, 

Mit so viel Kräften wunderbar, 

Liegt in uns mehr als tausend Jahr: 

Seit jener schwarzen Schreckensnacht, 

Da uns're Thränen aufgewacht, 

Und uns von aller Heimathab' 

Nur blieb ein dorn'ger Wanderstab. 

Als, trotz'ger Feinde letztes Ziel, 

Der Salemtempel sank, da fiel 

Vom sinkenden Tempel ein kleiner Stein 

In jedes Juden Seele hinein. 

Der drückt uns schier das Herze ab 

Und führt die Freude früh ins Grab. — 

Doch wenn einst der Tempelgrund erbebt 

Von Frühlingswindeshauch umschwebt, 

Und uns des Ewigen Flammenhand 

Hinführt ins harrende Heimatland, 

Dann lassen die Steine die Trauerstatt, 

Die sie so lang geborgen hat. 

Und unter erwachtem Psalmensang 

Und Lautenspiel und Githithklang 

Fügt sich nun Leidensstein an Stein 

Zum neuen Zionstempel ein. 



BERLIN. Cö« Cöi» CS^il C^« Ca« KsS« RSi» dSSt V^St C^« THEODOR ZLOCISTI. 

52 



t^ta v^a CMC1 taxt tam toKH tt£H Hgm fiiOl filHI 90tt c^HR t^ttl WäSi im 



ROMANZE EINER NACHT. 

Die Weingelände mit den breiten Blättern, 
Darunter schwellend Zions Traube reift, 
Stehn klar im Glanz. Mondweisse Winden klettern 
Durch Rankenwirrnis, die von Golde träuft 

Blaufmster dräut der Wald. Die Garben leuchten. 
Die Sommernacht ist blass wie eine Braut, 
Die schwermutvoll mit wimpertiefen feuchten 
Glanzaugen in die Lebensgärten schaut. 

Heut* müssen alle Judenfrauen wachen: 
Es ist die Nacht, da Ruth zu Juda fand. 
Aus allen Büschen singt ihr Silberlachen, 
Auf allem Leid liegt lindernd ihre Hand. 

Den braunen Mädchen rieselt aus den Bäumen 
Ein Tropfen Mondlicht in das heisse Blut; 
Die blonden aber lauschen wie aus Träumen 
Dem Brautlied ihrer blonden Ahnfrau Ruth. 

KOMOTAU. ^:iSH ta£» i<£i? toc» c^ssi ck£if tasi r^so taea t^e%* t^f» MAX FLEISCHER. 

53 



t^st tässt z^m v^sst 



DER PROPHET. 



Ci^i? C^^i? t^St t^St 



EINE DICHTUNG DER ZUKUNFT VON ADOLPH DONATH (WIEN). 



Niemand kannte ihn Im Ghetto, 
Und es hiess, er sei aus weiten 
Fernen in das Land gekommen, 
Um der Sehnsucht, die verglommen. 
Neue Ziele zu bereiten. ^ e|« 4« 

Doch man spottete des Weisen 
Und verhöhnte seine Lehre, 4^ 
Und man wollte des Propheten, 
Dieses thörichten Asketen, «k ^ 
Durch Verachtung sich erwehren. 

Denn die meisten von den Juden 
Hatten Furcht, wenn einer sagte, 
Dass sie nichts als Sklaven wären, 
Dass sie nur die Last des leeren 
Selbstbetruges immer plagte. ^ 

Dass sie nur dem Gott des Goldes 
Opfern, wenn die Knuten schwirren, 
Und dann wieder still beglückt sind, 
Wenn der Peitsche sie entrückt sind 
Und die Ketten fernher klirren. 



Täglich wuchs der Hass im Volke, 
Nur ein kleines Häuflein Armer 
Schaarte sich um seinen Sprecher, 
Pries ihn als des Volkes Rächer 
Und als seines Leids Erbarmer. 



Und des Abends, wenn die letzte 
Sonne aus den Wolken strahlte 
Und mit ihren Feuerbränden ^ 
An des Tempels weissen Wänden 
Rote Flammenzeichen malte, ^ ^ 



Lauschten sie dem Lied des Weisen, 
Der da sang: im tiefen Leide 4^ 
Liegt die Zionsburg im Osten, ^ 
Ihre Zinnen, die verrosten, **« -^ 
Und wie Knistern morscher Seide 



Geht es durch die Cedernwälder 
Weine, Tochter Zions, weine! ^ 
Deine Leier ist verdorben, * ^ 
Deine Sehnsucht ist erstorben, ^ 
Deine nimmermüde reine ^ ^ 

Glaubensstärke ist zerronnen, ^ 
Deine Mutterliebe schwindet, ^ 
Denn dein Volk ist siech geworden 
Und die abtrünnigen Horden :4: 
Sind schon längst für dich erblindet. 



Weine, Tochter Zions, weine! ^ 
Aber deine Thränen sollen ^ ^ 
Unser Mutterland verjüngen. -^ 
Neue Blüten werden dringen ^ 
Aus den feuchten Ackerschollen. 



An des Libanons Gehängen -^ ^ 
Wird die Ceder wieder grünen, 
Kranke werden dort gesunden, ^ 
Und in weihevollen Stunden -^ 
Wird dein Volk die Frevel sühnen. 



Voll ertönten diese Laute ^ ^ 
Und das Echo gab sie wieder, ^ 
Und es schien, als glitten leise 
Aus der Sterne Silberkreise ^ 
Diamantensplitter nieder. ^ "^ 

Und es glühten alle Rosen, ^ 
Und durch Wälder und durch Haine 
Klang, wie eine Wundersage, 4: 
Des Propheten Judenklage: ^ ^ 
Weine, Tochter Zions, weine! »k 



Jahre waren hingegangen, ^ -^ 
Auf den satten Feldern regten ^ 
Sich Vieltausend starke Hände, ^ 
Die, des Sommers reicher Spende 
Froh, den Eisenpfiug bewegten, 

Während in des Ghettos Mauern 
Der Prophet die Kinder lehrte: 
Dass in Gleichheit nur auf Erden 
Arm und Reich geboren werden, 
Die der gleiche Tod begehrte. ^ 



Und die Lernenden erstarkten, ^ 
Trugen des Propheten Worte ^ 
Immer weiter in die Welten, ^ 
Bis in Jakobs stolzen Zelten ^ 
Keine Hoffnung mehr verdorrte. 



Und ein neues Volk erhob sich, 
Reich an Liebe, reich an Kräften, 
Gleich an Sitte, gleich im Kleide, 
Frei von Furcht und stark im Leide 
Wuchs es fort mit frischen Säften. 



54 



IMR R^f» ^as*i 



Rabbi Rmnon war ein 
Freund des Mainzer Fürstenhofes. 
Rlle Frauen, alle Ritter 
Liebten es, mit ihm zu sprechen. 



RABBI AMNOIM. 

EINE SAGE. 
guter Dies« Pracht 



sei dir geget>en, 
Willst du unserm Qotte dienen. 
Rabbi Amnon, deine Lehre 
Ist so arm und ist so dQster." 



Eines Tages gab der Kurfürst 
Ruf dem Schlosse ein Qelage; 
Ruch den Rabbi Rmnon sah man 
Rn des Fürsten Seite sitzen. 



Da erzitterte der Rabbi. 
Seine Lippen schienen blutlos, 
Und auf seiner bleichen Stime 
Hoben sich die blauen Rdem. 



Gnd als die Pokale klangen 

Und die Frauenherzen glühten, 

Hob der Kurfürst seinen Becher, 

und er sprach zur Tafelrunde: 



Gnd es zuckten seine Rügen, 
und er sprach mit hohler Stimme: 
„Kurfürst, meine Rntwort will Ich 
In drei Tagen dir verkünden." — 



„Wir sind alle eine Seele, 
Einer fühlt ts mit dem andern. 
Wenn die jungen Büsche spriessen 
CJnd die Blütenkronen leuchten. 



Dreimal hatte schon die Macht sich 
In den hellen Tag gewandelt 
Dreimal sandte schon der Kurfürst 
Seine Ritter nach dem Rabbi 



Wir sind alle treue Brüder 
Einer reinen Qotteslehre. 
Jeder Fremdling sei willkommen, 
Der zu unserm Qotte pilgert. 



Und es schrie der Kurfürst zürnend: 
„Will der Jude nicht gehorchen, 
Legt Ihm Ketten um die Rrme, 

Schleppt ihn herzu meinen Füssen.** 



Rabbi Rmnon, sieh den Becher, 
Der von Diamanten funkelt. 
Sieh die Bilder an den Wänden, 
Sieh die reichen Purpurdecken: 



Wieder klangen die Pokale^ 
Wieder hob der Fürst den Becher, 
Und er sprach zu Rabbi Rmnon, 
Der als Sklave vor ihm kniete: 



iJudc, sprich I Bei diesem Beclier, 
Der die Rügen dir geblendet; 
Scliwör' icli'S; musst du selber eine 
Strafe über dich verhängen!" 

Lange schwieg der Rabbi Rmnon. 
Sterne standen schon am Himmel, 
RIs er rief: „Die Zunge, Kurfürst, 
Die Bedenkzeit sich erbeten, 

Meine Zunge, die gelogen, 

Lass mir aus dem Munde reissen!" 

RIso wollte Rabbi Rmnon 

Seine grosse Sünde büssen. 
* 

Doch der Kurfürst lachte höhnend: 
„Deine Zunge soll dir bleiben, 
Rber deine krummen Füsse, 
Die mir dreimal nicht gehorchten. 

Will ich meinem Messer opfern, 
und desgleichen sollen deine 
Judenhände, deine Mase, 

Deine Ohren ihm verfallen." — 

« 

Da erhoben sich die Ritter. 
Wie verrohte Henkersknechte 
Packten sie den alten Juden 
(Jnd vollführten die Befehle. 



Dreimal hatte schon die Macht sich 
In den hellen Tag gewandelt. 
Rosch Haschanah wars. Die Juden 
Wallten in Jehovas Tempel. 

(Jnd den armen Rabbi Rmnon 

Trug man vor die heiige Lade, 

und bevor man Kadosch sagte. 

Rief der Rabbi zu Jehovah: 

„Rlle Wesen, die da pilgern. 
Zählst du, wie ein Hirt die Herde, 
(Jnd verhängst ihr Los, bestimmst den 
Lebensgang der Kreaturen. 

Rm Meujahrstag wirds geschrieben, 
Rm Versöhnungstag besiegelt, 

Wer da leben, wer da sterben. 

Wer sein Ziel verfehlen sollte, 

Wer durch Feuer, wer durch Wasser, 
Wer durchs Schwert im Kriege, wer durch 
Hungersnot erliegen sollte. 
Wes der Ruhm ist, wes die Schande, 

Wes der Reichtum, wes die Rrmut. 
Rber Reue und Qebete 
(Jnd die Mächstenliebe wenden 
Rb das drohende Verhängnis." 



RIso dichtete der Rabbi, 
und es leuchtete sein Rntlitz, 
Ehe ihn sein grosser Schöpfer 
Von dem Erdenleid erlöste. 

WIEN. CsSi» t^^Si t^St t^S^ tiSSt t^St tiS& t^ü ADOLPH DONATH. 



56 



iM> MR c^en IW» M» UR M» REIFE. 



Warte nur! Bis einst dein letztes Blühen In goldener Büstang nicht, nicht mit ge* 

verweht schlifTenem Schwerte, 

Und deinen Händen die rächende Siegkrafl Hält er den Einzng, denn Frieden xiemt 

genommen, eeineo Wegen. 

Bis deines Herzens Träume in jedem Nor seine Aogen giflhen Tertrinmt noch 

,,Za spät* im Segen, 

Zittern, dann wird der Erlöser dir kommen. Wie wenn seinWilledemSchicksal noch wehrte. 

Dann wirst da gläubig die Pfosten des Haneee kfliimi 

Siehe, dein Aug' wird die Grenzen des Lebens erkennen. 

Sehnende Not, die du einsam hast tragen mfissen. 

Wird einem Wachtfeuer gleich durch die Nacht deines Lagers brennen. 

WIEN. IGNATZ KOHN. 



DAS IST DIE GANZE SELIGKEIT. 

Das ist die ganze Seligkeit 

Weit — weit 

Klingt wo ein Lied. 

Wie's mit dem Winde näher zieht. 

Halten wir still und sinnen und träumen 

Den goldenen Traum von den Cederb&umen, 

Von Zinnen, die in die Lüfte ragen. 

Von garbenschweren Emtetagen, 

Von Wipfeln, die Urväter Weisheit rauschen. 

Und Jüngern, die versonnen laoschen, 
Von Kränzen, die alle Stirnen säumen — 
Und schliessen die Lider und träumen . . . und träumen . . . 

Das Lied verklingt, — wir sind erwacht: 

Rechts hockt der Hohn und grinst und Ucht, 

Links schleicht das todesmüde Leid — — . 

Das ist die ganze Seligkeit . . . 

BRUENN. €t£%i ti^H t䣻 tOcSt C^Sü toS» t^S» Ktfi» C^£i) Ussa t^m IVB OTTO ABELES. 

57 



C^l? t^^ t^St t^^St t^aX C^P t^St V^Kt ri^) t^S. t^St tiS^ ts^t t^St t^iX t^St 



ROSEN. 

Dein Auge sieht mich an: ein stummes Fragen; — 
Noch ist es nicht so weit — noch nicht, mein Kind, 
Noch darfst du nicht im Haar die Rosen tragen, 
Die deine Krone und dein Abbild sind, t^a c^c« 

Noch ist es nicht so weit, dass ich dich kröne; 
Doch hörst du, wie es kommt und aufersteht, 
Wie's ringt und rauscht? — Und das sind andre Töne 
Als unsrer alten Demut Nachtgebet, k^« p^tr t^st 

Die Zeit ist nicht, wie andre Zeiten waren; 
Ein Grosses wächst heran und kündet sich 
In Zeichen, nie erhörten, wunderbaren; c^« z^st 
Ein Volk des Wunders sind wir sicherlich, c^« t^st 

Das Wunder naht; und wenn es sich vollendet, 
Sei auf dein Haupt und auf dein Haar die Flut, 

Der Rosen Purpurflut und Pracht verschwendet 

So führ' ich dich in deine Heimat, Ruth. 



WIEN. C^tR ti^St tiSSt tiSR C^i» t^St C^St t<^H C^i? t^Sk MARTIN FRIEDLAENDER. 

58 



t^Sk c^ei» tasm taxi ^^ssi t^esi ivo uts* v^sa egm fBgm CMR 



DER SPRUCH. 



Sie sprach — wenn dieser tiefe Orgelton 
Noch Sprache heisst — : „Sag', warum dankst 

du mir? 
Ist nicht die Liebe selbst Geschenk und Lohn? 
Und, dass ich lieben darf, wem dank' ich's? Dir!" 

Da war mir so: weit über Meer und Land 

Trug uns ein Engel bis zu Zions Thor. 

Sie aber hielt die Bibel in der Hand 

Und las mir mild die heiligen Sprüche vor. 



PRAG, w^sst t^sn t^a ttssst t^est ttga c^e9 c^s» r^est cv» €^m Ctf» HUGO SALUS. 

59 



t^Sk taSR t^St t:^vt Z^R V^St t^St CsSl» tiSSt t^St ts^R t^St t^St täSSt K^I» t^R 



VOM HOHEN RABBI LOW. 



Der hohe Rabbi Low in Prag kann mehr als beten, 

Kann Geister beschwören und aus Lehm feste Burschen kneten, 

Und legt er der Puppe das Pergament auf die Zunge 

Mit dem Zauberspruch drauf und „Lauf, lauf, mein Junge", 

So läuft er und thut, was der Meister ihn heisst. 

Und fegt ihm das Haus und rückt ihm die Kasten, 

Geht ein und aus und schleppt ihm die Lasten 

Und wacht vor der Thür und rennt in die Stadt, 

Weil er den Schem auf der Zunge hat. 

Aber Löbls Rifke, die dumme Gans, 
Ist einfach vernarrt in den lehmigen Hans, 
Weil seine Wangen so rosig schimmern. 
Weil seine Augen so treuherzig flimmern; 
Sie träumt von ihm so Tag, wie Nacht, 
Wenn er sie anglotzt, glaubt sie, er lacht, 
Ruft ihn und lockt ihn mit Worten und Blicken, 
Möcht' ihn so gern an das Mieder drücken. 
Bis Mutter Löbl dahinter gekommen 
Und die blöde Rifke zum Rabbi genommen. 



60 



Der hohe Rabbi LOw hört zu; ihm Ut, 

Dass er, statt zu raten, hell auflachen müsst*. 

Er rufl seinen Knecht, hat zu ihm gesprochen. 

Der nimmt das Mädel, ihr krachen die Knochen; 

Sie schreit, sie weint. Der Bursche drückt. 

Er presst die Rifke; fast war' sie erstickt. 

,,Lauf, lauf, mein Junge!** Da lässt er sie aus; 

Schleppt Rifke beschämt ihre Knochen nach Haus . . . 

Und wie nun die Mutter ihm danken will, 
Sagt der hohe Rabbi Low: „Du, Esther, sei stilL 
Hast du dich als Junge nicht auch in die Kraft 
Und die glänzenden Glasaugen immer vergafTt? 
Und, dass er aus Lehm ist? Ist Löbl aus Gold? 
Was hast denn du von dem Liebsten gewollt? 
Die Tugend? Oder Jugend und glatte Haatl 
Hast du deinem Schatz auf den Sehern geschaut? 
Und lebt dein Löbl sein eigenes Leben? 
Wer hat ihm den Sehern in den Mund gegeben?** 

Er schweigt. Rifke's Mutter schaut sich um. 

Als stünden tausend Frauen um sie herum: 

Sie nickt vor sich hin, wie für tausend, tausend Pranto, 

Wagt nicht, dem Rabbi ins Auge zu schauen . . . 



PRAG, c^a t^n t^n r^sni c£%t tassi tassi t^e» t^sat t^t» t^Ea wm huqo Salus. 

61 



C^ik C^a C^£ä7 ti^St t,^5i t^Bt t^St t^St t^St t^St C^St t^St Ki^i} CäSTt tc^St t^SA 



DER ACKERSMANN. 

Ich sah einst einen Ackersmann 

Still über schwarze Felder schreiten. 

Er liess das goldne Weizenkorn 

In tragbereite Schollen gleiten. 

Er ging so hoch, er ging so fest: 

Ein Herr, der Zukunft wachsen lässt. 

Da ward ich reiner Demut voU 

Und sprach zu mir: „Was soll dein Leben? 

Kannst du, wie dieser, deiner Welt 

Zu neuen Formen Keime geben? 

Hast du, wie dieser, eine Kraft, 

Die grüne Werdenstriebe schafft? 

Du hast sie nicht, du weisst es wohl, 
Du kannst dein Hoffen nur erträumen. 

So bist du denn das Samenkorn 

Und reifst in dunklen Zeugungsräumen? 

Ragst morgen schon in vollem Licht, 

Ein Drang, der seine Fesseln bricht? 

Du wirst es nicht, du weisst es wohl, 
Bleibst an dein enges Hier gebunden. 

So bist du denn das Ackerland 
Und ahnst die heiligen Mutterstunden? 

Und ahnst in stummer Seligkeit 
Ein tiefes, lebensschwangres Leid? 

O meine Seele, unfruchtbar 

War stets dein Schoss und wird es bleiben, 

Nie wirst du gelber Sommersaat 

Beglänzte Fülle selig treiben, 

Du bist ein Lied, das niemand singt, 

Das keinem Trost und Frieden bringt!" 

Da sah ich, wie der Wirbelwind, 
Der keck des Sämanns Thun belachte, 

62 



In seinen welchen Furchengnind 

Viel hundert graue Körnchen brachte. 

in jedem glüht ein Seelchen schon: 

Kornblume, Rade, wilder Mohn. 

Ein Volk ohn' Ernst und ohne Kraft, 

Voll krauser Lust und bunter Launen, 

Doch musst ich den verborgnen Glanz, 

Der künftigen Blüten Reiz bestaunen, 

So formenweich, so farbensatt 

Sah ich im Geiste jedes Blatt. 

Und meine Seele sprach zu mir: 

„O lehre deine Demut schauen. 

Und ein gekröntes Blumenreich 

Wird ihrem Aug in dir erblauen. 

Du wilde Blume, heiss und still. 

Die von der Welt nichts weiss und wiUI 

Der Brüder Armut, Durst und Leid 

Kannst du mit Flamm' und Blut nicht stilleo, 

Doch lebt in tiefstem Herzen dir 

Ein leuchtend starker Schönheitswillen. 

So lass ihn. schwer von Prachtgeschenken, 

Mit Duft und Glanz die Menschen tränken. 

Und giesse deiner Farben Salt 

Aus über Träume. Schmerz und Irren, 

Der dunklen Dränge Rätselspiel 

Mit Lichtesruhe zu entwirren. 

Und all dein Blühn sei eine Macht, 

Der Welt aus vollem Glück gebracht!" — 

Der Abend deckte schon das Land. 

Der Ackersmann war heimgegangen. 

Ich lag auf schwarzem Feldesrand, 

Und alle meine Sinne sangen. 

Der Stimmen lauter Jubelchor 

Stieg zu den Sternen stolz empor. 



WIEN, taen t4SE9 tos» casa V^ü toEik t^eSk Süll CiBR C^m KtfR MARTIN BUBER. 

63 



t^Kt C^i» K^it tt^R K^i» Rs^tR C^i7 R^i> K^i» C^^s? d^Si tt^St t^St t^Si Vt^St tsSH 



UND DOCH! 



Was blühn soll, wird blühn, c^i> 
Sieh, die Sonne wacht — c^» k^« 
Glüht noch ein Tröpflein Himmelfeuer, 
Die Flamme wird entfacht! c^« t«^5» 

Himmelfeuer — Höllenfeuer k^« c^tR 
Brennt das Herz Dir rein c^ä* fsss? 
Und sengt's ein rot Stück Leben mit, 
Still — es war nicht Dein, ci^i? t^st 



Ruhsam träumt in festem Kern, ciSTR 
Was Dauer hat von deinem Leben, 
Den Traum von seinem höchsten Stern, 
Zu dem's sich soll erheben, t^it visat 

Da reicht kein Glück, kein Leid hinab 
Und keiner Stürme Wehen — cis« 
Einst bricht's die harte Schale durch, 
Dann wirst du auferstehen. t^st t^st 
Was blühn soll, wird blühn! c^i» 



CM 



c^4 



Cf4 



IIVI HOCHGEBIRGE. 

Noch liegt ein letzter matter Glanz gebreitet Ein einsam lichtes Wölklein nur noch streitet 

Auf dunkler Flur. Der Sonne Sang verhallt — Hoch über Nebelflut und Nachtgewalt, c^i» 

Und Silbernebel steigen dicht geballt c^« Ein letzter Pilger, der zur Sonne wallt — 

Hinauf zur Höh, im Abendwind geweitet. Die Gipfel glühn, — ein später Tag entgleitet. 

O kühler Hauch von jenen goldnen Zinnen z^^^ 
Wo Licht und Tod vereint das Ewge weben 
— Urreine Form, nur noch dem Auge Leben — 
Verwebst der Wünsche Sturm, der Sehnsucht Sinnen, 
Lässt Lebensgrund zermürbt wie Sand zerrinnen — 
Und All und Nichts will Einen Ton nur geben. 



STRYJ. ^^St t^St t^R C^i? tiSSt ti^H tiSH t^R ti^St C^^A tt^St t^Si EFRAIM FRISCH. 

64 



€as» t^xk €ae» €aesk iwR im» wmm t^ewt 



NEUER FRUEHLING. 

Hörst Du das Lied des Sturmes? Es klingt so gut 

Und geht wie wildes Wecken um auf Erden; 
Jetzt brauchst Du nimmermehr zu weinen, Ruth — 
Denn es will Frühling, es will Frühling werden! 

So wie's schon einmal leuchtend Frühling ward 

Nach langer Knechtschaft Nacht und Finsternissen: 

Das war ein Frühling ganz besondrer Art, 

Von dem die Sagen Wunderdinge wissen. 

Das war ein Mann von ganz besondrem Schlag, 

Der unter Frühlingsstürmen uns erstanden, 

Der, selbst voll Licht und Sturm, ein Frühlingstag, 

Sein Volk befreit aus fremder Frohne Banden. 

Der es befreit, geführt und nicht geruht, 

Bis er ihm seine Heimat wies auf Erden — 

Jetzt brauchst Du nimmermehr zu weinen, Ruth, 

Denn wieder will es Frühling, Frühling werden« 



BERLIN. RdEi7 tOÜ COlü tOO K£V? C»f? K^K> iWR SM» IMfl MARTIN FRIEOLÄNOCR. 

65 



K^Dr K^n C^it t<^A (<£i( ti^^ C<^D c;^«» C^^i? Ci^it V^St V^St t^R t<^St t^St Z^St 



BERURIA. 



Solch' einen Sabbath sah man lange nicht, 
Es war ein Tag voll Schönheit und voll Licht. 
Mun neigte sich sein Qlanz dem Ende zu. 
Die letzten Sonnenstrahlen flogen mahnend 
Ins Schulhaus, wo dem Ruhetag zur Weihe 
Der weise Rabbi MeTr Schule hielt. 

Des Rabbi Wort war schön wie nie zuvor, 
Es zog v;ie süsser Harfenklang ins Ohr. 
Des Rabbi Weisheit war wie Qold so Ular 
Und seine Frömmigkeit wie Felsen stark. 

(Jnd keiner war dem Weisen zu gering, 
Dass er das fromme Fragen ihm verwehrte. 
Sein Wort ward jedem, der darnach begehrte. 
Und sieh — indes die lernbegier'ge Schar 
Mit ihrem Meister Wechselreden tauschte 
Und seiner Lehre wissenstrunken lauschte. 
Zog von den Bergen still die Nacht herab. 
Und dunkel ward's imSaal. Sie merkten's nicht: 
Des Rabbi Wort war schön, wie nie zuvor 
Und flammte auf wie morgenhelles Licht. 



Rm Sabbath-Rbend, da der weise Rabbi 
Im Schulhaus Geist undSinn des Lebens lehrte. 
War In sein eignes Haus der Tod getreten. 
Zwei Söhne hatte MeTr, jung und schön; 
Rm Sabbath-Morgen blütenweiss und rot, 
Rm Sabbath-Rbend fällte sie der Tod. 



Die Mutter sah den Tod durchs Zimmer gehn. 
Die Mutter sah, wie jäh die zwei erblassten, 
Wie Fieberschauer ihre Körper fassten 
Und wie die jungen, wilderschreckten Rügen 
Im heissen Kampfe mit dem Tode brachen. 
Und zitternd, stöhnend, jammernd, schreiend 
Nahm sie der Söhne Hände in die ihren. 
Den Kindern von dem eignen warmen Leben 

Die letzte Qlut, das letzte Blut zu geben, 

Die Hände, die sie fasste, waren kalt. 

Da presste sie die Zähne aufeinander 
Und faltete die Hände zum Qebete. 
Nicht eine Thräne feuchtete ihr Rüge. 
Indes sie all das namenlose Leid, 
Die unsagbaren Schmerzen alle fühlte. 
Indes das Weh ihr Mutterherz durchwühlte, 
Stand sie, gleich einem Bildnis, unbeweglich 
Und sah mit heissen, thränenlosen Rügen 
Ruf ihre jungen, bleichen, toten Söhne. 

So stand sie Rugenblicke stumm und starr. 
Da plötzlich, durch das Dunkel ihrerSchmerzen 
Zuckt der Qedanke an den Mann, an MeTr, 
Der jetzt und jetzt die Thüre öffnen musste. 

Sie fasst die toten Söhne, bettet sie 
Rufs weisse Lager, breitet über sie 
Ein weites Linnen, das die Körper deckt — 
Da tritt der Rabbi durch die niedre Thüre. 



66 



Sein Rnllltz strahlt: „Wo sind denn unsre Söhne?" 

„Sie waren doch bei dir Im Schulhaus, Vater?" 

Sie sagt es leise und die Stimme zittert. 

„Ich hab' sie In der Schule nicht gesehn I" 

„Dann werden sie wohl In der Qasse stehn." 

Und zitternd trägt sie Licht und Wein zum Rabbi, 

Der still vollzieht die Weihe der Habdala. 

Das Licht verknislert . . . Wieder fragt der Rabbi 

— Durch seine Stimme klingt verhallne Rngst — 
„Was sie so lang nur in der Qasse sind?" 

„Reh, mach dir keine Sorge, Iss und trink!" . . . 

Der Rabbi schneidet an das weisse Brot 

Und spricht den Segensspruch mit leiser Stimme. 

Doch plötzlich hebt er seine Rügen auf 

Und blickt auf's Weib, das jäh die Rügen senkt 

„Wahrhaftig, Weib, ich habe Rngst um sie, 

(Jnd dann — du selbst — du scheinst mir so verstört . ." 

„Ich? Mein — nicht doch 1 — Das heisst, es könnte sein — 

Es ist mir heute etwas widerfahren — 

Ich weiss — Ich weiss nicht Rat, gib du Ihn mir: 

Vor wenig Tagen brachte mir ein Mann 

Ein Kästchen — das gefililt war mit Juwelen — 

CJnd bat mich, ihm das Kästchen zu verwahren. 

Mun kam er heute. — — Reh, ich wusste nicht," 

— Die Stimme zitterte, da sie so sprach — 

„Dass er so bald — so plötzlich kommen werde. — 
Sag' Rabbi — muss Ich ihm das Kästchen geben?" 

„Berurial" ruft bestürzt der Rabbi aus, 
(Jnd schlimme Rhnung wird im Herzen rege. 
„Ein fremdes Qut behalten ist Verbrechen. 
Was dir vertraut Ist, das ist heilig Qut. 
Du musst es seinem Herren wiedergeben!" 



„Du Mgst die Wahrtieit. Vater 1" spHcM Ms We«b, 

Und Thrinen dringen sich in ihre httqttu 

„Nun komm und sieh dir die Juwelen an 

(Jnd hilf mir, ihrem Herrn sie wiedergebest" 

Und fasst mit starrer Hand 6ti Mannes Rechte 

Und fOhH den Rabbi hin zur Lagerstatt 

Und zieht mH starrer Hand dta Linnen weg: 

„Hier die Juwelen — Qott will sie nidkfcl ** 

Ein wilder, weher Schrei dröhnt durch die Stube. 

Der Rabbi wirft sich Ober seine Söhnet 

„Oh meine Kinder, meine teuren Kinderl 

Licht meiner Rügen, Wonne meines Lebens I 

Mein Licht erloschen, meine Wonne totl — — " 

Und laut aufschluchzend rauft er sdne Haare . . . 

Da legt sein Weib die Hand auf seine Schulter 
Und spricht: „Steh aufl Sprachst du nkht selbst soeben : 
Was dir vertraut ist, das ist heilig Qut. 
Du musst es seinem Herren wiedergeben?" . . . 

Der Rabbi richtet langsam sich empor 

Und schaut sie an. Durch dunkle ThrinMtcMdtr 

Blickt sie in seine Rügen. Rlle QiMe 

Und alle Treue liegt in diesen Blidten 

Und jedes QIQdt und Jeder Schmen der Liebe. 

Und lange sahen sie sich Khweigend an. 

Dann ruH der Rabbi aus: „Du jüdisch Weib I 

Du Weib der Kraft, der Qrösse und der Uebtl 

Der dich mir gab, er sei gebeneddll 

Wem solch ein Weib ward, der Ist rtkli jmjnet; 

Ihm ist ein Trost in jedem Heaeleld, 

Ihn schreckt nicht Armut, schreckt nicht Hot, iiicM Tot 

Cr fOrcirtet nicht der Hasser Knegsgesdirei, 

Ihn schreckt kein Schwert, Ihn Khrecken keine flammenT* 



Dann weinten sie noch lang« still 



BERLIN. C^ga ti£H Cdci« uest 



tOESk 



BERTHOLO FEIWEt^ 

67 



t^st rsö» cö» c^i» DER JUEDISCHE MAI. ^^^ ^^^^ ^^^ ^^^ 

(AUS DEM JUEDISCHEN DES MORRIS ROSENFELD UEBERSETZT VON BERTHOLD FEIWEL.) 

Wieder ist der Mai gekommen, 

Kam mit seiner Zauberpracht — 

Alle Gräser, alle Blumen 

Sind nun wieder aufgewacht. 

Wieder blüht es auf den Feldern, 

Wieder grünt es in den Wäldern, 

Wieder glänzt es überall, 

Wieder singt die Nachtigall. 

Wieder malt der Maler Frühling. 

Wie er seinen Pinsel führt, 

Werden Berge, werden Thäler 

Neu mit jungem Grün geziert. 

Und die Sonne strahlt hernieder, 

Küsst die Erde, küsst sie wieder, 

Und mit süssen Schmeichelei'n 

Lädt sie zum Geniessen ein. 



Wie's da gleich in allen Herzen 

Frühling werden will! 

Wunderschöne Phantasien 

Ziehen durch die Seele still. 

Gold'ne Träume schweben, 

Und sie weben 

Neue Himmel, 

Und sie wecken 

Neues Leben, 



68 



Und mit gabenfrohen Hflnden 

Tausendfache Lust zu spenden, 

Kommt das Glück . . . 



Aber seht, dort wandelt einer: 

Mitten durch die Maienlust 
Geht er still, gesenkten Hauptes, 
Und er seufzt aus tiefster Brust. 
Einsam mit dem schwersten Kummer 
Geht er lebensmatt und müd' — 
All sein Mai und all sein Frühling 
Sind schon längst, schon längst verblüht . 



Sagt mir, kennt Ihr jenen Kranken, 

Der da geht, wo alles blüht. 

Mit den schrecklichsten Gedanken 

In dem traurigsten Gemüt? 

Wer das ist, Ihr wisst es gut: 

Unser Alter, unser Jud' . . . 

Ihn umschwebt 

Kein holder Zauber, 

Es erbebt 

Sein Herz vor Qual, 

Und et glänzt kein Hoffnungsstrsdil 

Aus dem Bück. 



o 



Schwere, nie vernarbte Wunden 
Sind die Zeugen böser Stunden. 

Wohin die Gedanken reichen, 
Tod und Sterben, Leichen, Leichen , 

Alte Jugend, totes Glück . . . 

Zweig und Dom und Blatt und Blüte 

Treiben mit ihm bösen Spass, 

Jede Blume blickt verächtlich, 

Jeder Vogel ruft voll Hass: 

Frühlingslust und Frühlingsfreude — 

Doch für ihn ist nichts dabei! 

Fremde Vögel, fremde Götter, 

Fremde Welt — ein fremder Mai . . , 



Lacht nicht, Blumen, nur nicht spotten! 
Die ihr glüht vom Frühlingskuss, 
Glaubt, viel schönere zertreten 
Hat einmal des Juden Fuss . . . 

Felder gelber Pomeranzen 
Glänzten einst in seinem Land, 
Seine wunderschönen Pflanzen 
Pflanzte Gott mit eig'ner Hand. 

Fragt vom Libanon die Cedern, 
Sarons Myrthen fragt im Thal, 
Ob sie ihn nicht noch erkennen. 
Der ihr Herrscher war einmal. 



70 



Fragt den schönen heil'gen Oelberg, 
Fragt den Karmel, jeden Baum, 
Fraget all die tote Schönheit« 

Nach dem schönen alten Traum . . . 

Wtirz'ge Paradieseslüfte 

Wehten einst durch's heilige Land, 

Und in seinem stolzen Tempel 

Hat sein Gott sich ihm bekannt. 

Tausend sel'ge Engel spielten 

In dem göttlichen Gezelt, 
Und er fühlte tausend Freuden, 
Freuden einer anderen Welt. 

Dort beim schönsten Saitenspielo 

Sang der Jude wundervielo, 

Sang er wunderreiche Lieder, 

Wie sie nie erklingen wieder 

In so reinem, hellem Sänge, 

Mit so zaubersüssem Klange — — — 

Ach, an stumme Weidenbäume 

Hängte Juda seine Träume . . . 



Längst vorbei! — Doch sieh, welch* Wunder! 

Neue Träume zieh'n herbei: 

Hörst Du, Jude? „Glück und Frieden!" 

Ruft Dir zu ein neuer MaL 



71 



Wein' nicht 1 Bist noch nicht verloren, 
Wegemüder Wand'rer Du, 

Neue Jahre, gute Jahre 

Winken Dir, mein Jude, zu! 

Hörst Du, wie's durch Wolken zieht? 

Himmlisch-schöne Melodien, 

Süsse Cherubsharmonien, 
Hörst Du es, das neue Lied? 

Wieder wird Dein Esrog grünen, 

Deine Myrthen werden blüh'n, 

Wieder wird Dein Land erwachen, 

Und Dein Gott, er bringt Dich hin. 

Wieder klingen Hirtenlieder, 

Und Dein Weinberg dehnt sich weit, 

Leben wirst Du, leben wieder. 

Fort in alle Ewigkeit. 
Nach den bösen Wandertagen 
Wird das Leben Dir zur Lust, 

Unter'm stillen Berg Moria 
Atmet frei die Heldenbrust . . . 
Und beschlossen ist das Elend 
Und geendet Leid und Qual. 

Wirst in Deinem Heim verbleiben. 

Frei und friedlich wie einmal. 

Auf, betritt nur kühn die Pfade 

In Dein altes Heimatland! 

Manch ein Feuerfunke glüht noch 

In der eingefall'nen Wand. 



Rag» eses» AUS DEM JUEDISGHEN UEBERSETZT von BERTHOLD FEIWEI. t^sk Rö« 
72 



VOR DEM LOEWENKAEFIG. 

VON ISRAEL ZANGWILL (LONDON). 

Gespenstig durch die Gassen irren Nebelschauer, 
Und Regenwolken hangen nieder, schwer und müd, 
Jäh stirbt die Lebensfreude, ch' sie noch erblüht. 
Aus allen Erdenporen strömt die ewige Trauer 

O Tropenkinder, die im Frost des Nordens zittern: 
Auch ich will Sonne, der gleich Euch zum Sklaven ward. 
Mein Herz versteht Dein Weh — ich bin von Deiner Art, 
Du armer König hinter Käflgsgittem. 



AUTORISIERTE UEBERSETZUNQ AUS DEM ENGLISCHEN VON BERTHOLD FEIWEL. 

73 



Cäi? m*i CöB C^S CffiR KfiSit KesSSt t^Si Ci^Si taSSt tOSR t^Bk tOSSt t^& CäSi? taSl 



INHflLTS-VERZEiCHNIS. 



OTTO ABELES 

MATHIAS ACHER .... 
ISRAEL AUERBACH . . . 

MAX BARBER 

RICHARD BEER-HOFMANN 
CH. N. BIALIK 

j» ..... 

J. C. BORUCHOWITSCH . 

MARTIN BUBER .... 

I» ...» 

ADOLPH DONATH . . . 

» ... 

» ... 

J. ELJASCHOFP 

BERTHOLD FEIWEL . . 



MAX FLEISCHER . . . 
MARTIN FRIEDLAENDER 

» 

•n 

EFRAIM FRISCH . . . 

)» ... 

S. FRUG 



SBITE 

DAS IST DIE GANZE SELIGKEIT 57 

AHASVER-GEDICHTE 34 

DAS GROSSE WECKEN 28 

JUNGE HARFEN 3 

SCHLAFLIED FITER MIRJAM 41 

VERWAISTER SANG (UEBERS. VON MORITZ ZOBEL) . . 7 

IM FELDE (UEBERS. VON BERNHARD FUCHS) .... 10 
JOSUA VOR DER LANDNAHME (UEBERS. VON MORITZ 

ZOBEL) 12 

DER TRAUM (UEBERS. VON BERTHOLD FEIWEL) ... 18 

ZWEI TAENZE 31 

DER ACKERSMANN 62 

JUDENLIEDER 44 

DER PROPHET 54 

RABBI AMNON 55 

LIED DES IRRENDEN GESELLEN 21 

DIE ERSTEN 9 

WIEGENLIED 20 

JEWORECHECHO ADONAI 43 

BERURIA 66 

ROMANZE EINER NACHT 53 

TISCHAH B'AB 42 

ROSEN 58 

NEUER FRUEHLING 65 

UND DOCH 64 

IM HOCHGEBIRGE 64 

DAS JUEDISCHE KIND (UEBERSETZT VON BERTHOLD 

FEIWEL) 16 



8. FRUG 



GEORG HIRSCHFELD 
IGNATZ KOHN . • 
ANTON LINDNER . 



AN8ELM LUTWAK 
J. L. PEREZ . . . 
LEO RAFAELS . . 
ABRAHAM REISEN 
MORRIS ROSENFELD') 



HUGO SALUS 



SIEGMUND WERNER 
KARL WOLFSKEHL 
ISRAEL ZANGWILL 
THEODOR ZLOCISTI«) 

STEFAN ZWEIG . . 



LIED VOM CHEDER (UEBEBS. VON BEBTHOLD FEIWEL) tt 
ABER DIE STERNE (UEBEBS. VON THEODOR ZLOCISTI) tS 

JEREMIAS 18 

REIFE .67 

FRUEHLIN(; 6 

DAEMMERUNG 4« 

DER TOTE TAG 48 

ASTARTE UND JEHOWAH .60 

DIE PALME (UEBERS. VON MORITZ ZOBhL '^ 

PSALM ! i 

GHETTO (UEBERS. VON BERTHOLD FEIWEL) . . . . U 
DIE LANDSTREICHER (UEBERSETZT VON BERTHOLD 

FEIWEL) If 

STURM (UEBERS. VON BERTHOLD FEIWEL . 84 

DER JUEDISCHE MAI (UEBERSETZT VON BERTHOLD 

FEIWEL) .68 

DFJl SPRUCH .68 

VOM HOHEN RABBI LOEW 90 

VAETER, AHNEN 48 

DAS ZEICHEN .8 

VOR DEM LOEWENKAEFIG 78 

ERSTER STERBETAG 61 

MAERCHEN VON EINEN STEIN 68 

DAS GERICHT .46 



>) AcM |^«d«r dM Ohatto*. Variag & OalTMT A Co., B«rite. 



•) Am »Bäte««!*, TwU« «Ji 



VOM ALTEN STAMM 

EINE SAMMLUNG JÜDISCHER BÜCHER 

Bisher ersdiienen: 

SCHALOM ASCH: IM LANDE DER VÄTER (BÜder und Didi- 
tungen aus Palästina). 

„Eine öhnlidie Stimmung wie in Goethes Italienreise. Audi hier Erfüllung eines lang- 
gehegten Traumes, hie und da Enttöusdiung, Sdimerz, aber audi der freudige Ruf, da(5 man 
so grofJ und schön sidi's gamidit vorgestellt hat." Max Brod im Literarisdien Edio. 

SCH. GORELIK: DIE LIEBE PROVINZ (Aus der russisdi- 
jüdisdien Kleinstadt). 

„Die Spradie Goreliks ist eine seelisdie, Haudi, Klang. Wenn sie nur mühevolle 
Absidit ist, dann ist er ein grofJer Sdiriflst eller, wenn nur einzig gefühlte Ausdrudis- 
weise, dann ein grofSer Diditer." Königsberger Hariungsdie Zeitung. 

J. L. PEREZ: VOLKSTÜMLICHE GESCHICHTEN (HeÜigen- und 
Wunderlegenden). 

„Wer die feineren Regungen der Judenscele erkennen, wer den Geist des Ostjuden 
erfassen, wer dem Herzsdilag der Chassidim lausdicn, wer dem zarten Weben, der reinen 
Keusdiheit Mystik sidi hingeben will, greife zu diesem Büdilein." K. C.-Blätter. 

SCHOLEM ALEICHEM: DIE VERLORENE SCHLACHT (Humo- 
ristisdie Erzählungen). 

„Köstlidie Perlen des jüdisdien Humors . . . Urwüdisiger jüdisdier Witz, den nur 
ein fühlender Jude wirklidi verstehen kann. .. Gelungene Verdeutschung. Jüdisdie Zeitung. 

Sämtlidi aus dem Jiddisdien von Mathias Ädier. 



Preis: I. Einzelausgaben Pappband M 2. — , Leinenband M 3. — 
n. „Serie I" (alle vier Bände in gemeinsamen Karton): 
Pappband M 8. — , Leinenband M 12. — 

Zu beziehen durch jede Budihandlung sowie direkt vom Verlag 

V/r JÜDISCHER VERLAG, ^t^t" 



DIE JUDISCHE GEMEINSCHAFT 

REDEN UND AUFSÄTZE ÜBER ZEITGENÖS- 
SISCHE FRAGEN DES JÜDISCHEN VOLKES 
HERAUSGEGEBEN VON DR. AHRON ELIASBERG 

Bisher erschienen: 

MORITZ GOLDSTEIN: BEGRIFF UND PROGRAMM EINER 
JUDISCHEN NATIONALLITERATUR. 

„Es spricht für Goldsteins historischen Sinn, wenn er on den Anfang der Wieder- 
geburt die Verwendung nationaler Stoffe setjt . . . Hoffen wir, dofJ dieser Ruf nidit 
ungehört bleibt und dafS die notionolen Stoffe unsere jädisdien Dichter xu den grofiea 
nationalen Werken anregen werden, die wir alle mit Goldstein ersehnen." 

Freie {Qdiscfae Lehrerstimme. 

ALEXANDER SCHUELER: DER RASSENADEL DER JUDEN. 
(Der Schlüssel zur Judenfrage). 

„Alles in allem haben wir eine Schrifl vor uns, die zur Aufklärung der großen 
Massen über eine der wichtigsten theoretischen Grundlagen des Zionismus geeignet 
und bestimmt erscheint. Sie verdient die weiteste Verbreitung und sollte nidit nur 
von jedem Zionisten, sondern von jedem Juden gelesen werden." Di« Welt. 

S. KISSELHOF: DAS JUDISCHE VOLKSLIED. 

„Auf knappem Räume charakterisiert Kisselhof das jüdische Volkslied sowohl nada 
seiner musikalisdien, wie nach seiner inhaltlichen Seite hin. . . . Dos SdirifMlen wird, 
gleich den früheren, sehr dazu beitragen können, Juden und Judentum lMO0«n su 
lernen." JQdisdie V(dks«tiBUii«. 

LEO HERRMANN: NATHAN BIRNBAUM, SEIN WERK UND 
SEINE WANDLUNG. 

„Es ist die erste zusammenfassende Darstellung über Nathan Birnb«w— An- 
schauungen über Judentum und jüd.-nationale Politik. Sie enthält f e n U T «Im ftber- 
sichtliche und prägnante Auseincuiderse^ung mit N. B. vom Standpunkt des ZJwilw— .* 



Preis je 50 Pfennig. 



Zu beziehen durch jede Budihandlung sowie direkt vom Verlag 

w"ff. JÜDISCHER VERLAG. ^sÄ' 



ZWEI ERFOLGREICHE BÜCHER 



DENKWÜRDIGKEITEN 
DER GLÜCKEL 
VON HAMELN 



Aus dem Jüdisdi-Deutsdien des siebzehnten 

Jahrhunderts von 

Dr. A 1 f r e d F e i dl e n f e 1 d. 

Zweite veränderte Auflage. 
Viertes bis fünftes Tausend. 

Preis: a) Pappband M 4. — . b) Halbleder, 
Goldsdinitt u. s. w. M 7.50. 

„Diese rührend naiven Aufzeidinun- 
gen einer sdiliditen Jüdin aus angesehenem 
Hause sind wirklidi ein „menschlidies Ur- 
kundenzeugnis" in desWortes eigentlidister 
Bedeutung . . . Mit einer Lebendigkeit, einer 
Ansdiaulidikeit werden die Sitten und 
Gewohnheiten gesdiüdert, so da(5 man 
sidi unmittelbar in jene Lage hineinversetzt 
glaubt . . . Möge das liebe Budi seinen 
Weg in weiteste Kreise finden. Es kann 
den Lesern und namentlidi den Leserinnen 
zum Lidit- und Trostspender werden." 

Berliner Tageblatt. 



SCHALOM ASCH: 

KLEINE GESCHICHTEN 

AUS DER BIBEL 

Nadi dem jiddisdien Original überseht 

und bearbeitet von 

Dr. phil. Helene Sokolow. 

Illustrationen nadi Holzsdinitten von 
Holbein d. J., Beham und Anderen. 

Preis: a) In Halbleinen M 4. — . b) In Ganz- 
leinen, Goldsdinitt u. s. w. M 5. — . 

„Was Asdi diesmal hier gegeben 
hat, ist keine wörtlidie Überse^ung in eine 
heutige Spradie, aber die Nadierzöhlung 
biblisdier Gesdiiditen in einer Weise, die 
sie heutigen Kindern nahe bringt. . . . Die 
Mördien sind gut übertragen. Das Budi 
ist entzüdtend ausgestattet. Alte deutsdie 
Holzsdinitte imd Motive aus alten Haga- 
dahs illustrieren die Mördien und tragen 
gewifJ viel dazu bei, diese Gesdiiditen 
Kindern lieb zu madien." 

Jüdisdie Volksstimme. 



Zu beziehen durdi jede Budihandlung sowie direkt vom Verlag 



Berlin 
W 15. 



Sädisisdie 



JUDISCHER VERLAG. ""s*"a 



,n V 






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